Vor 110 Jahren: Bonner Stadtvätern geht ein Licht auf

Zum 110. Mal jährt sich die Geburtstunde der Bonner Stromversorgung. Am 1. Oktober 1897 beschloss die Bonner Gaskommission, „eine städtische elektrische Centrale“ zu errichten – eine bedeutende Entscheidung, denn zwei Jahre später erzeugte das neu gebaute Elektrizitätswerk in Regie der Stadt erstmals Strom.

Bereits in den Jahren 1878/1879 hatten die Stadtoberen überlegt, mit dem Bau des kommunalen Gaswerkes zugleich den Grundstein für ein Elektrizitätswerk zu legen. Ein durchaus fortschrittlicher Gedanke der Bonner Stadtväter, schließlich steckte die elektrische Beleuchtung in Deutschland noch in den Kinderschuhen.

Zwar war die weltweite Entwicklung auf dem Stromsektor zu dieser Zeit rasant: Seit 1879 erhellten elektrische Bogenlampen den ersten Straßenzug in Berlin, im selben Jahr entwickelte der amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison die erste länger brennende Glühlampe, 1882 eröffnete dann das erste öffentliche Elektrizitätswerk in New York und drei Jahre später ging das erste Kraftwerk in Deutschland ans Netze.

Doch mangelte es bei all diesen technischen Innovationen an praktischer Erfahrung mit der neuen künstlichen Lichtquelle. Ein entscheidender Einwand gegen den progressiven Plan der Bonner Stadtverwaltung: Eine zentrale Stromversorgung der Kreisstadt zu diesem frühen Zeitpunkt und ohne unmittelbare Praxis barg ein zu großes wirtschaftliches Risiko, auf welches sich die Stadtväter nicht einlassen konnten. So sollte es noch zwei Jahrzehnte dauern, bis Bonn elektrifiziert wurde.

Am 1. Oktober 1897 war es soweit: Die Gaskommission favorisierte den Bau eines kommunalen Elektrizitätswerkes und brachte damit die jahrelange Diskussion unter den Stadtverordneten erneut ins Rollen.

Mehrere Gründe sprachen nun für ein Elektrizitätswerk: Zum einen hatten in Bonn wie in vielen anderen deutschen Städten private Investoren kleine Blockstationen errichtet, die Kunden mit Strom versorgten. Die stetig steigende Zahl von elektrischen Beleuchtungsanlagen zeigte die Wichtigkeit einer Stromversorgung in städtischer Hand. Zum anderen hatte sich im Nahverkehr ein neuer Trend durchgesetzt: Immer mehr elektrische Straßenbahnen rollten durch deutsche Städte. Auch die Bonner Stadtväter wollten ein solch modernes Verkehrsmittel nur zu gerne durch ihre Kreisstadt brausen sehen. Um diesen Wunsch zu verwirklichen, war ein stadteigenes Elektrizitätswerk die entscheidende Voraussetzung.

Um ihren Entschluss abzusichern, beauftragten die Stadtverordneten am 29. Oktober 1897 eine Kommission, Elektrizitätswerke in verschiedenen deutschen Städten in Augenschein zu nehmen. Auf ihrer Rundreise waren die Experten schnell von den Vorteilen überzeugt: die Straßen erstrahlten in hellem Licht, die Stadtsäckel klingelten und die Bürger konnten den neuen Komfort in ihren eigenen vier Wänden nutzen – ganz einfach und bequem.

Mit ihrem einstimmigen „Ja“ gab die Stadtverordnetenversammlung am 22. April 1898 den Startschuss zum Bau des Bonner Elektrizitätswerkes. Knapp ein Jahr später, am 1. Februar 1899, lief die Dampfdynamomaschine zum ersten Mal auf Hochtouren und beleuchtete die Räume des städtischen Werkes mit elektrischem Licht. Im ersten Betriebsjahr erzeugte das Elektrizitätswerk rund 287.300 Kilowattstunden Strom – heute gibt SWB Energie und Wasser jährlich rund 1,5 Milliarden Kilowattstunden Strom an seine Kunde ab.

28.09.2007 | 14:44 | Autor: Pressemeldung SWB Konzern |

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