Bonn: Erstes offizielles Gedenken an Holocaustopfer in Belarus
Bürgermeister Joisten nimmt an Feierlichkeiten in Minsk teil – Gedenkstein für die Opfer des Minsker Gettos aus Köln, Bonn und Siegburg
Bonn – An den ersten offiziellen Gedenkfeierlichkeiten von Belarus für die Opfer des Holocaust nimmt auch Bürgermeister Helmut Joisten als Vertreter der Stadt Bonn teil. Er reist mit der Leiterin der Bonner Gedenkstätte, Astrid Mehmel, in der kommenden Woche (20. Oktober) in die Bonner Partnerstadt Minsk, um dort gemeinsam mit Vertretern aus anderen deutschen Städten – unter anderem Köln, Siegburg, Dortmund und Berlin – und Überlebenden des Minsker Gettos der Opfer zu gedenken. Anlass ist der 65. Jahrestag der Auflösung des Minsker Gettos am 22. und 23. Oktober 1943. Im Rahmen der offiziellen Gedenkstunde am Montag, 20. Oktober, hält der belarussische Staatspräsident Aleksandre Lukaschenko eine Ansprache in der Minsker Jama. Die Jama – im Deutschen "Grube" – ist das älteste Denkmal in der weißrussischen Hauptstadt, das an die Ermordung der Juden in Minsk erinnert. Es wurde an der damaligen Erschießungsgrube errichtet. Am Dienstag, 21. Oktober, nehmen Joisten und Mehmel an dem öffentlichen Trauerzug vom ehemaligen Jüdischen Friedhof zur Erschießungsgrube Jama im früheren Getto teil. Am Abend ist eine Trauerversammlung im Konzertsaal Minsk mit rund 1200 Teilnehmehrn geplant. Am Mittwoch, 22. Oktober, nehmen Joisten und Mehmel an der Einweihung eines Gedenksteins für die verschleppten und ermordeten Mitbürger aus Bonn, Köln und Siegburg teil. Außerdem steht ein wissenschaftliches Symposium zum 65. Jahrestag der Auflösung des Minsker Gettos unter dem Titel "Holocaustforschung in Deutschland und Belarus" auf dem Besuchsprogramm. Joisten wird außerdem mit Günter Katzenstein zusammen treffen. Der 88-jährige Düsseldorfer ist ein Überlebender des Holocaust. Die offiziellen Gedenkfeiern wurden organisiert vom Verband der jüdischen Gemeinden in Belarus. Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk (IBB) aus Dortmund flankiert diese Veranstaltungen mit der Reise der deutschen Teilnehmer nach Minsk, der Aufstellung des Gedenksteins für die Opfer aus Köln, Bonn und Siegburg und dem wissenschaftlichen Symposium. In Weißrussland, dem heutigen Belarus, hatten die Nationalsozialisten nach ihrem Einmarsch 1941 die systematische Ermordung von Juden auf schreckliche Weise perfektioniert. Allein im Minsker Getto wurden 80.000 Juden ermordet, in Belarus insgesamt waren es 800.000. Aus Köln, Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und weiteren rheinischen Gemeinden wurden seit 1942 mehr als 1.170 Menschen jüdischen Glaubens in das Vernichtungslager Maly Trostenez bei Minsk deportiert und getötet. Darauf verweist auch die Inschrift auf dem neuen Gedenkstein.
17.10.2008 | 19:30 | Autor: bonn | Empfehlungen: 17 | 17 mal gelesen


















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