Bonner Ökonom entwickelt “Selbstbestrafung” als Druckmittel im Klimawandel mit

 

Bonn – Internationale Vereinbarungen wie das Kyoto-Protokoll lassen sich kaum verbindlich durchsetzen: Allzu oft lassen "Trittbrettfahrer" ihren großen Ankündigungen – beispielsweise zur Treibhausgas-Reduktion – nur geringe Taten folgen. Ökonomen der Universitäten Hamburg und Bonn stellen nun eine elegante Methode vor, wie man dieses Problem lösen könnte (Journal of Public Economics).

Eine Art Kaution, zahlbar direkt bei Abschluss der Vereinbarung – etwa als Einlage an die Weltbank – könnte die nötigen Anreize schaffen. Zahlt auch nur ein Akteur nicht, so bekommen alle ihre Einlagen zurück, und niemand hat etwas verloren. Wenn aber alle zahlen, wird nach einer verabredeten Frist überprüft, ob sie das vereinbarte Ziel wirklich erreicht haben. Nur erfolgreiche Vertragspartner bekommen dann ihre Kaution zurück. "Trittbrettfahren" ist also bei entsprechender Höhe der Einlage nicht mehr interessant.
„Das Problem ist nur schwer in den Griff zu bekommen", erklärt der Bonner Ökonom Dr. Philipp C. Wichardt. "Trittbrettfahrer gehen kein wirkliches Risiko ein: Schließlich existiert keine Weltregierung, die mangelnden Eifer bei der Umsetzung der Klimaziele bestrafen könnte."

Der Vorschlag der Wissenschaftler hat den Vorteil, dass keine mächtige Institution nötig ist, um Druck auf die Akteure auszuüben: Diese bestrafen sich ja gewissermaßen bereits im Vorfeld selbst, und zwar freiwillig. Die Bereitschaft der Vertragspartner, sich durch die Zahlung etlicher Milliarden freiwillig zu knebeln, dürfte freilich gering sein. Das ist auch den beiden Ökonomen bewusst. Allerdings gehen sie davon aus, dass selbst geringere Beträge von einigen hundert Millionen Dollar ihre Wirkung entfalten würden: Niemand wolle für seine mangelnden Anstrengungen derart offensichtlich bestraft werden.

Ob die Implementation eines solchen Mechanismus tatsächlich möglich ist, können und wollen die Autoren dennoch nicht beurteilen. Philipp Wichardt: "Aus ökonomischer Perspektive sollte man aber zumindest ausloten, was in dieser Hinsicht politisch machbar ist."

Kontakt: Dr. Philipp C. Wichardt, Abteilung für Wirtschaftswissenschaften, Universität Bonn, Telefon (02 28) 73 79 94, E-Mail philipp.wichardt@uni-bonn.de.

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04.11.2008 | 17:30 | Autor: bonn | Empfehlungen: 3 | 3 mal gelesen

Kommentare

[...] "Bonner Ökonom entwickelt “Selbstbestrafung” als Druckmittel im Klimawandel mit". Wie lassen sich internationale Vereinbarungen (etwa das Kyoto-Protokoll) verbindlich [...]

 

[...] “Bonner Ökonom entwickelt “Selbstbestrafung” als Druckmittel im Klimawandel mit“. Wie lassen sich internationale Vereinbarungen (etwa das Kyoto-Protokoll) verbindlich [...]

pingback Frischer Wind und was zu tun « waswirbloggen am 5. November 2008 @ 11:33  

 

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