Bonn: Zwei Jura-Studenten kämpfen gegen das Vergessen
Ein innovativer elektronischer Karteikasten soll nicht nur angehenden Juristen das Lernen erleichtern
(Bonner Wirtschaftsblog) – Bonn: Eine der ersten Anschaffungen, die Jura-Studenten tätigen, ist ein Karteikasten. Nur so lässt sich die riesige Menge an Lernstoff bewältigen, die Juristen bis zu ihrem Examen beherrschen müssen. Doch die im Handel befindlichen Systeme haben so ihre Nachteile. Zwei Studenten der Universität Bonn sind daher auf die Idee gekommen, stattdessen eine Software-Lösung zu entwickeln. Der innovative virtuelle Karteikasten namens „BrainYoo“ eignet sich nicht nur zum Büffeln für das Juraexamen. Auch Mediziner und Sprachwissenschaftler könnten beispielsweise von dem neuen „Langzeitgedächtnistrainer“ profitieren. Die beiden angehenden Juristen haben inzwischen eine eigene Firma gegründet, über die sie die Lernsoftware BrainYoo vertreiben.
Stephan Pötters ist 23, Samuel Ju 24, und die beiden sind seit dem ersten Semester ihres Jurastudiums gut befreundet. „Wir haben uns damals gemeinsam die Abende in der Bibliothek um die Ohren geschlagen“, erinnert sich Pötters. Inzwischen sind die beiden Studenten der Universität Bonn auch Geschäftspartner: Sie vertreiben ihren virtuellen Karteikasten seit einigen Wochen über eine gemeinsame Firma. Und das mit großem Erfolg: Ihre hoch professionelle Webseite www.brainyoo.com ist zwar erst seit kurzem online. Dennoch wird sie bei „Google“ schon unter den Top Ten gelistet, wenn man dort die Suchbegriffe „Lernprogamm“ und „Jura“ eingibt. „In den ersten 14 Tagen hatten wir schon 300 Downloads“, sagt Stephan Pötters.
Die Idee zu BrainYoo kam den beiden Jungunternehmern bei der Examensvorbereitung. „Unser Fach ist leider extrem lernintensiv“, erklärt Pötters. „Die Fülle an Definitionen, Schemata und Problemen lässt sich eigentlich nur bewältigen, wenn man sich gut organisiert. Daher kauft sich praktisch jeder Jura-Student schon zu Beginn seines Studiums einen Karteikasten. Im Laufe der Semester kommen schnell tausend Karteikarten und mehr zusammen.“
„Selber machen, und zwar professionell“
Das Prinzip, nach dem derartige Karteikästen funktionieren, ist einfach: Die Karten werden in sechs Fächer sortiert. Mit jeder korrekten Antwort rücken die Karteikarten ein Fach weiter; dadurch werden sie immer seltener abgefragt. Ist die Antwort falsch, landen die Karten wieder in Fach 1. „Das ist, als hätte man eine Sekretärin, die einem vergessene Karten hartnäckig auf Wiedervorlage legt“, vergleicht Pötters. Doch was, wenn man für eine Klausur nur mal schnell ein Teilgebiet büffeln möchte? „Bei einem Papierkarteikasten wäre das kompliziert“, sagt Samuel Ju. „Man müsste sich sämtliche Karteikarten aus dem jeweiligen Fachgebiet aus den verschiedenen Karteien wieder zusammensuchen. Zudem könnte man nach der Klausur nicht mehr berücksichtigen, welcher Stoff schon gut sitzt. Dazu braucht man eine Software-Lösung. Doch die gibt es für Juristen leider nicht.“
„Selber machen“, dachten sich die beiden also, als es auf das Examen zuging. „Und zwar möglichst so professionell, dass man das Produkt auch noch verkaufen kann.“ Dank der Hilfe zweier befreundeter Informatiker und der tatkräftigen Unterstützung aus ihrem Bekanntenkreis blieb es nicht bei der Idee: Ergebnis ist BrainYoo, im Prinzip ein virtueller Karteikasten. Die angehenden Juristen nennen ihn auch „den Langzeitgedächtnistrainer“. „Denn unser Programm kann wesentlich mehr als etwa herkömmliche Vokabeltrainer“, verspricht Ju. „So lassen sich zu den Karteikarten auch Bilder hinzufügen. Ein Medizinstudent könnte so etwa erfragen, was auf einer anatomischen Abbildung zu sehen ist.“ Pötters und Ju planen, in naher Zukunft zusätzlich zu der Software Lerninhalte aus verschiedenen Fachbereichen anzubieten. Ein Karteikartensatz für die mündliche Prüfung im ersten juristischen Staatsexamen ist bereits erhältlich.
Die Schöpfer von BrainYoo werben damit, dass in ihr Programm wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Hirnforschung eingeflossen seien. So orientieren sich die Zeiten, nach denen das Programm gelernte Karten wieder vorlegt, an typischen Lern- und Vergessenskurven. „Die Lerninhalte, die man fünfmal in immer größer werdenden Zeitabständen wiederholt und korrekt beantwortet hat, sitzen fest im Langzeitgedächtnis“, verspricht Samuel Ju. Hilfreich für diese Reise ins Gedächtnis sei, dass man den Lernstoff in Sinnzusammenhängen organisieren könne. So wird bei jeder abgefragten Karteikarte dargestellt, in welchen Bereich sie gehört. Auch der Bonner Neuropsychologe Dr. Christian Hoppe hält das Werkzeug für empfehlenswert. Als vorteilhaft bewertet er unter anderem die Möglichkeit, Eselsbrücken und Mindmaps als Lernhilfen einzusetzen.
In ihrer Software stecke jede Menge Arbeit, betonen die beiden: „Unser Stundenlohn liegt momentan wohl noch unter zehn Cent“, sagt Pötters und lacht. „Aber selbst wenn wir keinen Erfolg haben, hat uns die Software wenigstens bei der Vorbereitung auf unser eigenes Examen geholfen.“ „Und es hat Spaß gemacht“, ergänzt sein Kommilitone. „Wenn das nicht so wäre, hätten wir längst aufgehört.“
Kontakt:
Stephan Pötters, Samuel Ju
Firma BrainYoo
E-Mail: info@brainyoo.com
Homepage: http://www.brainyoo.com
14.04.2009 | 12:23 | Autor: Universität Bonn | Empfehlungen: 28 | 28 mal gelesen


















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