Bonn: Katzenjammer nach Aschermittwoch – oder: Ghostwriter bei der IHK-Bonn?

 

(Bonner Presseblog) Bonn: Viele Menschen haben vor ein paar Tagen mit großer Verwunderung den zu diesem Zeitpunkt überraschenden “offenen Aufruf” der Herren Franceschini/Swoboda “IHK Bonn/Rhein-Sieg sagt der Larmoyanz den Kampf an” zur Kenntnis genommen.

Die Verwunderung dürfte bei denjenigen zunehmen, die in der aktuellen Ausgabe des Kammerorgans “Die Wirtschaft” den Beitrag des Pressesprechers Michael Pieck unter der Überschrift “Katzenjammer nach Aschermittwoch” gelesen haben.

Auszüge:
“…Kritik wird sogleich als Majestätsbeleidigung gebrandmarkt…”
“…Augen zu und durch hieß es viel zu lange…”
“…Das Kind ist in den Brunnen gefallen, die Verantwortlichen stehlen sich aus der Verantwortung…”
“…die Zeche zahlt der Steuerzahler…”

Artikel von Michael Pieck hier herunterladen

Konträrer können sich zwei fast zeitgleiche Veröffentlichungen der IHK Bonn/Rhein-Sieg nicht gegenüberstehen. Und deshalb darf ich vermuten, dass der “Larmoyanz Aufruf” nicht aus der Feder des Pressesprechers stammen kann, denn er würde sich andernfalls selbst widersprechen und hätte damit seine Glaubwürdigkeit als Öffentlichkeitsarbeiter der IHK-Bonn/Rhein-Sieg verloren.

Ich vermute weiter:
Untersucht man dahingehend die “Larmoyanz” jetzt etwas genauer, dann erinnert der Schreibstil des “Aufrufs” in seiner Wortwahl an einen “Ghostwriter” aus dem Bonner Stadthaus, bekannt dafür bereits in der Vergangenheit für eine Bonner Tageszeitung druckfertige Beiträge im “Sinne der Regierenden” geliefert zu haben. Es fallen Formulierungen auf wie “Leibchen hinter Gittern”, “Bonn will” oder “nicht wie in Köln zerreden”. Geschrieben wird auch über “Fehler” obwohl es sich zum Teil um knallharte Straftatbestände handelt…

Es dürfte heftig im Bonner Talweg gerumpelt haben als Piecks Beitrag zur Freigabe vorlag und die Altherrenriege den Druck des Mediums nicht mehr verhindern, und ein “Neudruck” vom Verlag nicht verlangt werden konnte.

Hintergrund des “Larmoyanz-Kampfaufrufs” ist damit wohl eher eine IHK-Image-Schadensbegrenzung, als der nach außen hin verkaufte Aufruf zum letzten Gefe…, (Entschuldigung, das ist dann doch zu “Braun”) zu mehr Geschlossenheit. Eine echte Larmoyanz!

“Bonn will…” schreibt also stellvertretend wer mit welchem Recht, die Herren?

“Der Bürger will…” Bildung, Sicherheit, ernst genommen werden, keine verschimmelten Turnhallen, offene Kommunikation, eine befahrbare Kennedybrücke und einen städtischen Pressesprecher der seine Hausaufgaben macht “für Bonn”!

Hut ab vor soviel Mut, Michael Pieck.

Der Rheinländer sagt: Kopp huh

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16.02.2010 | 14:58 | Autor: Rheinlaender | Empfehlungen: 46 | 855 mal gelesen

Kommentare

Super Blog-Artikel!

Mich wundert das nicht sehr, da ich viele IHK-Veröffentlichungen lese. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich ist da oft was zum schmunzeln dabei. Beispiele:
“Nach einer intensiven Diskussion wurde diese einstimmig beschlossen.”
“Unabhängigkeit von Einzelinteressen und Parteipolitik macht uns glaubwürdig.”
“Wer ist die IHK? Jeder gehört dazu – niemand wird ausgegrenzt!” (Zynisch angesichts der vielen widerstrebenden Pflichtmitgliedschaft)
Weitere Beispiele: http://twitter.com/ihk_sprache

Wirklich interessant ist aber die Verflechtung der IHK mit der Lokalpresse. Im der gesamten Bundesrepublik gibt es nur etwa ein dutzend Zeitungsverlage, die kritisch über die IHK Berichten. Beispiele: http://www.Stimme.de, http://www.EifelZeitung.de, http://www.abendblatt.de. Die anderen drucken weitgehend wortgleich und ungeprüft, auf jeden Fall aber kritklos die IHK-Pressemeldungen (”Talsohle durchschritten”, “neue Weiterbildung bei der IHK”), die sich von IHK Bezirk zu Bezirk erstaunlich wenig unterscheiden. Lediglich der Zeitpunkt der Talsohle-Durchschritten-Artikel kann um Wochen oder Monate variieren.

Die Verflechtung zwischen Zweitungsverlagen und IHK genügt der Faustformel: Die IHK beschäftigt zwei, drei Redakteure als verlängerter Schreibtisch der lokalen Wirtschaftsredaktion. Kritik wie sie Ämter oder andere öffentlich(-rechtliche) Einrichtungen einstecken müssen, fällt flach. In vielen Bezirken führt die Verbindung IHK/Lokalpresse zur Gründung gemeinsamer Vereine oder Gesellschaften als Träger von Bildungseinrichtungen, politischer Initiativen und gewinnorientierten Wirtschaftens im Wettbewerb zu IHK-Mitgliedern.

Lora Kammer am 17. Februar 2010 @ 16:24  

 

Es freut mich, dass sich einige Gedanken über einen Konflikt zwischen Pressesprecher und “Altherrenriege” (ich empfehle einen Blick in unser Präsidium oder Vollversammlung, um sich vom Gegenteil zu überzeugen) machen und muss gestehen: So etwas gibt es nicht.

Ich möchte unsere Position noch einmal deutlich machen und “Katzenjammer” und “Larmoyanz” miteinander verbinden.

Fakt ist doch:
1. Das Desaster um das WCCB muss aufgeklärt werden und nicht nebulös verschleiert werden. Das Kind ist in den Brunnen gefallen, der muss jetzt trocken gelegt werden, aber das darf doch nicht heißen, dass wir damit unsere Zukunft verspielen und nicht nach vorne schauen.
2. Das WCCB darf keine Investionsruine werden, sondern muss zu Ende gebaut werden – auch wenn es uns – den Steuerzahler – teuer zu stehen kommt.
3. Beethoven ist ein Alleinstellungsmerkmal, das es zu hegen und pflegen gilt. Welche Zukunft das Beethovenfest in der maroden Beethovenhalle in fünf oder zehn Jahren hat, ist mir schleierhaft. Deshalb haben wir uns für den Bau eines Festspielhauses ausgesprochen – immer unter Berücksichtigung der finanziellen Gegebenheiten, d. h. es muss klar sein, welche Kosten auf die Stadt zu kommen und wie dies finanziert werden kann. Aus unserer Sicht kann die Lösung neues Festspielhaus am Standort der alten Beethovenhalle günstiger sein als aufwendige Sanierung der Beethovenhalle. Dazu müssen aber Fakten und Zahlen auf den Tisch!

Gefordert sind Kreativität, neue Lösungen, Mitmacher und Unterstützer, um Bonn weiter nach vorne zu bringen und keine Miesmacher und krude Verschwörungstheorien zwischen Stadt, IHK und Presse – wir brauchen auch keinen Ghostwriter! Und wir brauchen auch keine Bedenkenträger, die großzügige Hilfsangebote so lange zerreden, bis das Geld anderswo gestiftet wird.

Ich kann auch die platten Phrasen über die IHK nicht mehr hören. Gerne stelle ich mich jeder Diskussion, aber man sollte sich zunächst einmal im Bonner Talweg informieren und nicht irgendwelche Vorurteile nachplappern – wie der Ausgrenzung vieler. Jedes IHK-Mitglied kann und soll sich engagieren und einbringen – unsere nächste Vollversammlungswahl findet im Herbst 2011 statt. Und jedes Unternehmen hat in der IHK eine Stimme, gleich ob großer TK-Konzern oder einzelkämpfender Dienstleister.

Ich würde mich freuen, wenn dies dazu führen könnte, dass wir einmal über Arbeit und Selbstverständnis einer IHK diskutieren würden.

Nichts für ungut..

Michael Pieck am 26. Februar 2010 @ 11:55  

 

Wahaha, ich lach’ mich schlapp. Bonn ist echt geil! Dagegen war’s in Schilda doch stinke langweilig:-)

Herr Pieck, Bonns OB Nimptsch macht’s doch vor mit seiner Bürgerbeteiligungskampagne. Dann lassen Sie für die IHK doch auch mal eine Mitgliederbeteiligungskampagne durchführen. Aber nicht wieder den üblichen Senf abfragen, es reicht eine Frage die Ihnen eine 100%ige Beteiligung aller Mitglieder garantiert, und billiger als die Nimptsch Aktion wird es dadurch auch:

Die zentrale Frage:
Würden Sie der IHK Bonn/Rhein-Sieg beitreten wenn die Mitgliedschaft freiwillig wäre?

Aber diese Frage werden Sie genauso wenig stellen wie der OB den Bürger im Zusammenhang mit seiner Giftliste zwischen Fertigstellung des WCCB oder mehr Bildung entscheiden lassen würde! Eine echte Lachnummer (nach dem Katzengejammer), danke für diesen Kommentar.

Schildbürger am 26. Februar 2010 @ 14:21  

 

@Michael Pieck: Wie kommt es jetzt zu Ihrem scheinbaren Sichtwechsel der Dinge? Erst “katzenjammernder Miesmacher” und plötzlich “lärmender Larmoyant”?

Wo sind die von Ihnen jetzt geforderten kreativen, lösungsorientierten Zukunftskonzepte der IHK für ihren Jammerbezirk Bonn? Starke Worte, folgen Taten?

Schade, ich hatte gehofft das sich endlich etwas bewegt bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Nichts für ungut, aber so sagt…

… der Rheinländer: Quatschkopp

Rheinlaender am 27. Februar 2010 @ 12:08  

 

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