Bonn: OB Nimptsch, “His Master’s Voice” und die städtische Haushaltslage
(Bonner Presseblog) Bonn: Auch in Anbetracht der katastrophalen städtischen Haushaltslage kristisiert der BBB die zunehmenden Online Aktivitäten von OB-Nimptsch und Bonner Presseamt.
Die Antworten des OB zur Großen Anfrage 2 des BBB Betr. „Online-Newsletter der Stadt Bonn“ veranlassten Bernhard Wimmer in der gestrigen Ratssitzung (18.02.2010) zu folgenden weiteren Ausführungen:
Bernhard Wimmer:
“Ich erlaube mir drei Anmerkungen zur Beantwortung der Großen Anfrage des Bürger Bundes Bonn durch den Oberbürgermeister:
1. Der neue Online-Dienst der Stadt Bonn behauptet von sich, er sei aktuell und authentisch. Und er heißt auf gut Rheinisch „BonnLive“ – ohne solche für mich reichlich dämliche Anlehnungen an das Englische fühlt sich unser OB wohl schon als kosmopolitischer Underdog. Dieser Dienst ist eine Zeitung im Medium Internet, noch im Westentaschenformat. Er erscheint (noch) nur zwei Mal pro Tag. Der Umfang variiert (noch) nur zwischen zwei und vier Seiten pro Tag. Aber nach der Stellungnahme des OB hat er den Zweck, ich zitiere aus der Antwort, „die interessierte Öffentlichkeit unmittelbar – und genau das ist für mich das entscheidende Wort – über Themen aus dem Bereich der Stadtverwaltung zu informieren.“ Im Klartext: Diese Online-Zeitung soll unmittelbar „His Master’s Voice“ zu ihren Empfängern transportieren.
Für mich und den BBB ist das aber nicht Aufgabe des vom Steuerzahler finanzierten Presseamtes. Für uns ist und bleibt es Aufgabe der Zeitungsverlage und der freien Presse, neben und in Konkurrenz zu Rundfunk und Fernsehen die Bürger unserer Stadt über das Geschehen in unserer Stadt zu informieren. Diese Medien verfügen über gut ausgebildete, engagierte und unabhängige Journalisten. Es mag den OB – und nicht nur ihn – hin und wieder ärgern, dass auf diesem Weg seine Verlautbarungen nicht „authentisch“ geschweige denn kritiklos transportiert werden. Sondern dass Journalisten es sich herausnehmen, städtische Verlautbarungen zu überprüfen, sich erdreisten, eigenständig zu recherchieren und auch kritisch zu berichten und zu kommentieren. Das soll für den BBB grundsätzlich so bleiben. Wir brauchen keine städtische Alternative. Und das gilt umso mehr in finanziell schwierigen Zeiten, in denen nicht nur die Haushalte der Städte und Gemeinden, sondern auch die Verlage der regionalen Zeitungen in ganz Deutschland unter einem dramatischen wirtschaftlichen Druck stehen. Denn gerade in Zeiten wie denen, die wir durchleben, ist kritischer und unabhängiger Journalismus umso gefragter.
2. Meine zweite Anmerkung bezieht sich auf den geradezu erbärmlichen Informationswert des bei Amtseinführung von unserem OB groß angepriesenen Rats-Informationsbriefs im Vergleich zu der von uns hier kritisierten neuen Online-Zeitung der Stadt Bonn. Die ist ja auch wichtiger als die Information für die simplen Stadtverordneten. Auch die Information für die Stadtverordneten heißt übrigens natürlich nicht so. Wie es sich für den jeden Kurzbrief links unterzeichnenden studierten Germanisten ziemt, hat er ihn auf „Newsletter Rat“ getauft. Die Nr. 2 vom 08.02.2010 hatte es in sich. Da wurden die Mitglieder des Stadtrats umfassend auf 12 ½ Zeilen nebst zwei beigefügten Bildern über einen Stifter informiert, der die Stadt Bonn bei zwei Großprojekten unterstützen wolle. Mehr Zeit war wirklich nicht. Denn es musste ja die – siehe Antwort auf Frage 1 – unmittelbare Information an viel wichtigere Adressaten produziert werden. Und so wurde statt dessen in der Online-Zeitung vom 08.02.2010, 17 Uhr, auf zwei Seiten das berichtet, was der Rat wohl so nicht wissen brauchte. Und Parteipolitik wurde aktuell und authentisch auch gemacht und der Genosse OB lobte den Genossen Fraktionsvorsitzenden für Mut und Weitsicht. Was das mit der angeblichen Zielsetzung, „über Themen aus dem Bereich der Stadtverwaltung zu unterrichten“ (Antwort zu 1) zu tun hat, weiß nur der Himmel. Jetzt übernimmt die städtische Online-Zeitung auch noch publizistische Schützenhilfe für die ja arg gebeutelte SPD-Stadtratsfraktion. Auch daher halten wir die städtische Online-Zeitung für überflüssig.
3. Meine dritte Anmerkung bezieht sich auf die städtischen Zauberlehrlinge, die wie Heinzelmännchen die neue Publikation des OB einstweilen zwei Mal am Tag produzieren. Denn, so die Antwort unseres OB, diese Heinzelmännchen, sie brauchen nichts, sie kosten nichts. So die Antwort auf unsere Frage 2. Es handelt sich schlicht um Phantome. Wer das glaubt, mag vielleicht selig werden, aber der, der uns das glauben machen will, kann – höflich gesprochen – nicht ganz ernst genommen werden. Denn von selbst schreibt und redigiert sich auch dieser städtische Online-Dienst nie und nimmer.
Wir werden die Probe aufs Exempel bei den Haushaltsberatungen machen. Wir halten den städtischen Online-Dienst für überflüssig. Daher werden wir in den Haushaltsberatungen für das Jahr 2010
- im Stellenplan eine angemessene prozentuale Reduzierung beim Personal des Presseamtes beantragen. Denn wenn man nach der Antwort auf unsere Anfrage auch diese Aufgabe neben all den übrigen Novitäten, die der neue OB zur besseren und direkteren Kommunikation mit seinen Bürgern eingeführt hat, auch noch nebenbei erledigen kann, dann war man zuvor offenbar mit Arbeit gar nicht ausgelastet. Und das würde ja allen heiligen Schwüren, in dieser Stadtverwaltung spare man beim Personal seit Jahr und Tag eisern, geradezu Hohn sprechen.
- Und wir werden natürlich auch bei den Sachkosten des Presseamtes eine angemessene Reduzierung beantragen.
Zumindest die Steuerzahler in dieser Stadt wird das dann freuen.”
19.02.2010 | 12:24 | Autor: bonner-presseblog.de |


















Kommentare
Gut gebrüllt!
Da war doch schon mal was über das Bonner Press- und Lügenamt berichtet worden:
http://bonner-presseblog.de/2009/07/27/bonn-pressesprecher-sind-eigentlich-keine-richtigen-journalisten/
http://bonner-presseblog.de/2009/09/17/bonn-schickt-friedel-frechen-in-den-vorruhestand/
Wird jetzt aber höchste Zeit mit dem Vorruhestand!
ulrich.kalber am 19. Februar 2010 @ 14:30
[...] Maßnahmen des Bonner Presseamtes, welches von einem gestandenen Verwaltungsfachmann für seine merkwürdige Informationspolitik gerügt wird, nutzten aber nichts. Aus dem ursprünglichen Bauskandal, mit Korruption und allerlei [...]
pingback Bonn: 50 Millionen Euro – heute gespendet, gestern verheizt | Deine - Meine - Unsere BRD am 20. Februar 2010 @ 10:25
[...] Dies wird besondes deutlich an der Kritik von Bernherd Wimmer (BBB) zum Thema “His Masters Voice“. [...]
pingback Bonn: Jürgen Nimptsch und das WCCB Erbe – alles eine Nummer zu groß? | Deine - Meine - Unsere BRD am 11. April 2010 @ 17:27
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