Bonn: WCCB – Gläubige in Sorge, Brief an Stadtdechant
(Bonner Presseblog)
Stadtdechant
Msgr. Wilfried Schumacher
Münster-Carré
Gerhard-von-Are Strasse 5
53111 Bonn
Sehr geehrter Herr Stadtdechant, verehrter Monsignore Schumacher,
wir, eine Gruppe Bonner Katholiken, sind dankbar für Ihre rege und stetige Anteilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben unserer schönen Stadt am Rhein. Ebenfalls schätzen wir Ihre Sorge um die Existenz und das Wohlergehen der Gläubigen, denen Sie mit Ihrem Angebot der Lebensberatung aktiv zur Seite stehen.
Aus gegebenem Anlass möchten wir Sie jedoch bitten, Ihre persönliche Meinung bezüglich des Unglücks, das unsere Stadt getroffen hat, nicht „kirchenamtlich“ zu äußern. Wir sehen es mit Unbehagen, wenn die Aufklärung der offensichtlichen Missstände zum World Conference Center Bonn (WCCB) in Gotteshäusern kommentiert und thematisiert wird.
Als Repräsentant der katholischen Kirche in der Stadt sollte Ihre Haltung überparteilich sein. Das vermögen wir nicht zu erkennen.
In Anbetracht Ihrer Bindung zu einem rheinischen Brauchtumsverein und mit Rücksichtnahme auf die Spenden, welche an die Caritas über die „Rheinlobby“ geflossen sind, wäre es fatal, wenn die katholische Kirche in den Verdacht geraten würde Einfluss auf die Wahrnehmung und Bewertung weltlichen Geschehens nehmen zu wollen.
Wir hegen außerdem die Befürchtung, dass die „christliche Unterfütterung“ der im Internet kursierenden Verteidigungsstrategie eines der Angeklagten des WCCB – Verfahrens vielleicht eine Replik auf die Haltung sein könnte, die Sie öffentlich als Stadtdechant äußern.
In Bonn, einer relativ kleinen Großstadt, ist alles mit allem vernetzt und jeder kennt jeden. An einem solchen Ort „haben Wände Ohren, und Ihre Worte könnten Flügel bekommen.“ Ein weiterer Aspekt, das Menetekel WCCB ein öffentliches sein, aber kein kirchliches werden zu lassen, ist Ihr Interview in der Lokalzeit anlässlich der Verabschiedung der ehemaligen Oberbürgermeisterin.
Wie Ihnen bekannt sein dürfte, haben Presseorgane der ökumenischen Entwicklungswerke fast zeitgleich darüber berichtet. Die WHH sei in Sorge, wegen der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen ihre Präsidentin.
Nach wie vor gilt die Unschuldsvermutung. Die gilt aber in alle Richtungen und ist kein Dauerzustand. RPA – Bericht und Fakten deuten an, dass die internen Bedenken bei der WHH berechtigt sein könnten.
Nichts wäre fataler, als wenn sich unsere Glaubensgemeinschaft bei der WCCB – Aufarbeitung im Schulterschluss mit bestimmten Parteien und der „Stadt“ sähe.
Um die Gefahr zu verdeutlichen übersenden wir Ihnen in der Anlage ein USB – Speichermedium mit der Aufzeichnung der WDR – Lokalzeit vom 24.08.2009. Bedauerlicherweise ist unsere ehemalige Oberbürgermeisterin bezüglich der WCCB – Bürgschaft damals nicht bei der Wahrheit geblieben.
Menschlich verständlich, aber für Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens mit Vorbildanspruch nicht zu vereinbaren mit christlichen Glaubensgrundsätzen, wie sie in Epheser 4, 25 geschrieben stehen: „Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind.“
Ihre Nähe zu Frau Dieckmann und zur Stadtverwaltung ist allseits bekannt.
Oberbürgermeister Nimptsch betonte in seiner Ansprache im Bonner Münster zur Feier des Beginns Ihrer 3. Amtszeit am 03.09.2010: „Bonn ist seine Stadt. In ihr arbeitet er offen und eng mit unserer Stadtverwaltung zusammen…“.
In diesem Zusammenhang scheint im Nachhinein ein weiterer Passus bedenklich:
„Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Wer das wirklich tut, der spürt gelegentlich, dass dazu damals wie heute gelegentlich Mut erforderlich ist, wenn man zum Beispiel an der ein oder anderen Stelle darauf aufmerksam macht, dass Wahrhaftigkeit auf der Strecke geblieben ist“.
Das klingt wie ein Echo zur Rede des OB vor dem Rat am 03.07.2010 mit dem Zitat von André Gide: „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“
Die dort geäußerte „Presseschelte“ hat parteiübergreifend und auch bei vielen Bürgern Stirnrunzeln verursacht.
In der Hoffnung dass zukünftig solche einseitigen Äußerungen draußen, vor unseren Gotteshäusern bleiben, bitten wir um Nachsicht für unsere Worte.
In der Gewissheit auch für andere Bonner Gläubige zu sprechen, grüßen in frommer Verbundenheit sieben anonyme Gemeindeglieder, die glauben nicht mehr schweigen zu dürfen.
„Bernd Abendroth, Juliane Sternthaler, Siegfried Wundersam, Sybille Tausendschön, Jürgen Tempel, Jupp Eschweiler, Melissa Weltenburg“
Bonn, im Oktober 2011
18.10.2011 | 05:00 | Autor: PrivacyBox |

















Kommentare
Was meint eigentlich der Absatz mit der “christlichen Unterfütterung”?
manoman am 18. Oktober 2011 @ 12:03
“Im Visier der Staatsanwaltschaft
Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe steht im Verdacht der Bestechlichkeit
Im spektakulären Bau- und Betrugsskandal um das Bonner World Conference Center (WCCB) gerät die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, immer mehr ins Visier der Bonner Staatsanwaltschaft. In der Bonner Zentrale der Welthungerhilfe betrachtet man das mit Sorge.
“Bei der Welthungerhilfe bewahrt man nach außen Stillschweigen. Doch sehen Insider der Bonner Zentrale die sich zuspitzende Entwicklung mit Sorge. Die Mitgliederversammlung der großen und angesehenen Hilfsorganisation hatte Bärbel Dieckmann Ende November 2008 zur Präsidentin gewählt. Zuvor hatte Dieckmann überraschend darauf verzichtet, noch einmal für das Bonner OB-Amt zu kandidieren. Der Skandal um das Konferenzzentrum geht bis auf das Jahr 2005 zurück und hat sich seither immer mehr hochgeschaukelt – unter fragwürdigem Mitwirken auch von Spitzenleuten der Bonner Verwaltung.
Staatsanwaltliche Ermittlungen seien noch keine Klageerhebung und grundsätzlich gelte die Unschuldsvermutung, meint ein Welthungerhilfe-Mitarbeiter. Ein Rücktritt käme einem Schuldbekenntnis von Frau Dieckmann gleich; eine Abwahl sei derzeit kein Thema. Doch die Sorge der Organisation, dass die Sache keine Angelegenheit der Ex-Oberbürgermeisterin bleiben, sondern auch zum Problem der Welthungerhilfe werden könnte, ist offensichtlich. Denn die Unschuldsvermutung gilt bis zu einem eventuellen Urteil, und das kann angesichts der komplizierten Materie dauern – eine Zeit, in der Dieckmann wohl im Gespräch bleiben wird. Keine schöne Aussicht für die Hilfsorganisation”.
Aus: welt-sichten 10/2010
http://www.welt-sichten.org/artikel/art-10-010/im-visier-der-staatsanwaltschaft.html
Herbert Haag am 18. Oktober 2011 @ 15:12
@ manoman
Das meint sicher die Express Meldung: http://www.express.de/bonn/wccb-pleitier-kim–ich-bin-christ—und-mittellos,2860,10971828.html
Cassius am 18. Oktober 2011 @ 16:26
muss sagen bin nicht im thema, verstehe auch nicht alles inhalt in dem brief. rheinlobby, dieckmann, wccb ist mir voll schnuppe und sagt mir absolut gar nix. nehme ich aber mit das “die kirche” sich wieder politisch in themen einmischt und ihre stellung bezieht, von der kanzelei herunter sogar wieder meinung macht, was finde ich extrem bedenklich!!! diese zeiten sollten sein ein für allemal vorbei in dieses land!! kann man nicht das versetzung von herrn schumacher verlangen, und wer müsste die entscheiden?
sarah am 18. Oktober 2011 @ 19:06
Der Brief zeigt wie verlogen dieses ganze “Herumgesorge” der etablierten Institutionen ist. http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=884744
Will man die eigene Vergangenheit und Verantwortung ent-sorgen?
Albert Sorglos am 20. Oktober 2011 @ 09:50
Msgr. Wilfried Schumacher sollte sich aus der Politik heraus halten, die Kirche hat in dem Gesellschaftsbereich nichts mehr verloren in Deutschland! Zu viel Unheil wurde in der Vergangenheit durch diese Verknüpfung angerichtet.
theo.dore am 20. Oktober 2011 @ 15:16
Hallo Albert, bin auch nicht blöd. Auf dem Foto sehen wir: 1 x DGB Köln (war Herr Wilfried Klein zu feige?), 1 x Klüngel-Bruder Swoboda, 1 x Wohlfart und 3 x Kirchenmänner (Pfr. Harnisch für Wüster). War das eine “bestellte” Aktion von J. Nimptsch = Verantwortung von Verwaltung auf Politik schieben?).
Die Reaktion von Gilles/Schmidt lässt darauf schließen. Unlautere “Schlitzohr – Politik” unter der Gürtellinie?
Gerda S. am 20. Oktober 2011 @ 15:38
@ theo.dore
Richtig, “die Macht der katholischen Kirche verfällt”, sagt DIE ZEIT im Jahre 2005, als man das “WCCB – Steuerbetrugskomplott” schmiedete.
Das hat unser Stadtdechant begriffen und verbal (indirekt) die unterstützt welche, die Macht haben, oder die, von denen er glaubt sie hätten sie. Das WCCB ein riesiger Imageschaden für Bonn? Diese Art der Umwegrendite beschreibt Herr Wimmer vom BBB und gießt damit Wasser in den aufgetischten Wein. http://bonner-presseblog.de/2011/10/21/bbb-nur-zwischenziel-erreicht-schaden-summieren-sich-auf-135-mio-eur/
Gilt das auch für unsere Pfarrgemeinde? Steht der Monsignore jetzt in der “Unterhose” da, wie unser im 19. Jahrhundert purifiziertes Münster selbst? Der Bonner Kunsthistoriker Heinrich Lützeler hatte dies gesagt. Ihn zitierte Wilfried Schumacher in einer Predigt im Jahre 2004:
„Das Münster ist ein europäisches Monument“. Das Münster war – so Lützeler -architektonisch offen zu den Kirchen in Köln und in Xanten, zur Maas und zu Burgund hin. Das sei nicht mit dem dümmlichen Terminus “Einfluß” abzutun. Vielmehr zeige sich darin Weitblick an, Teilhabe an einer europäischen Bewegung, über alles Ortsgebundene hinaus. Das Münster, so folgert er, ist eben keine kleinbürgerliche Kirche, sondern ein europäisches Monument”.
Sollten wir in der Pfarrgemeinde und anderswo nicht Abschied nehmen vom “dümmlichen Einfluss”? Er war es doch, der viele “Kleinbürger” antrieb und unserer schönen Stadt den Dämon brachte, der immer noch über ihr schwebt. Als weitblickende Christen sollten wir ihn endlich vertreiben!
Martinshorn am 21. Oktober 2011 @ 11:37
Erinnere mich noch gut an die Bouvier Hexenjagd des Msgr. Wilfried Schumacher zum Osterfest 2011. Sehe bis heute “Wiesse-Müüs” wenn ich daran denke…
Jottlob am 21. Oktober 2011 @ 13:41
Tolle Initiative! Ich finde die politischen Statements innerhalb der Predigten ebenfalls mehr als deplatziert!!
Nicole.Lehrmann am 21. Oktober 2011 @ 13:52
@ Jottlob
Hexenjagd, Hasenfest? Das hier?
http://www.derwesten.de/nachrichten/im-westen/Hasenfest-statt-Ostern-Thalia-rudert-zurueck-id4563372.html
Gegen “Hasenfest” wettern, aber Hitlers “Mein Kampf” ist o.k. oder?
http://www.zeit.de/2005/13/01____leit_1_13
Emil am 21. Oktober 2011 @ 15:31
Ist der Brief echt an Herrn Schumacher versendet worden, oder ist der Text nur in dieses Blog eingestellt worden?
Nicole.Lehrmann am 21. Oktober 2011 @ 15:36
Nicole, doofe Frage! Ich würde in der Münsterpfarrei anrufen…
Helmut H. am 21. Oktober 2011 @ 16:48
…und ich würde mal in diesem schönen Caritas – Heft blättern.
http://caritas.erzbistum-koeln.de/export/sites/caritas/bonn_cv/_galerien/download/news/Sozialcourage_2-2008.pdf
“Mit Veranstaltungen und Foren, die die soziale und finanzielle Benachteiligung von Kindern und ihren Familien thematisieren, schafft der Bonner Caritasverband Bewusstseinswandel und die Initiierung konkreter Hilfsprojekte. Foto: Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider (re.) im Gespräch mit Matthias Schulze vom WorldCCBonn (Mi.) und Martin Schilling von der Agentur Kreativ Konzept (li.) bei der Rheinlobby im ehemaligen Abgeordnetenhaus des Bundestages.
Heilige Einfalt am 21. Oktober 2011 @ 17:13
Helige Einfalt, das ist ein Super – Link!
“Mutter Sozialcourage” Bärbel Dieckmann als Titelbild und der zweite Artikel heißt:
DIESES NETZWERK LÄSST KEINEN FALLEN!
bärbellässtgrüssen am 22. Oktober 2011 @ 11:38
@bärbellässtgrüssen
Ja, sorgfältiges Lesen ist angesagt bei diesem Self – Promoting! Wer bezahlt das alles? Im letzten Beitrag in der Caritas – Broschüre sieht man Herrn Schneider und Herrn Hamacher mit der Ex – OB als Schirmherrin (siehe Link bei Albert Sorglos). Robin erhält “prominente Unterstützung”. So, so. Thema Kinderarmut. Die gibt es auch in Bonn. Zu lesen im GA http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=358480
Was genau Hat Frau Dieckmann dagegen getan???
Nichts, im Gegenteil. “Seit OB Bärbel D. in Amt und Würden ist hat sich die Kinderarmut in Bonn mehr als verdoppelt”, meinte Wolfgang Wobido vom Erwerbslosenforum Deutschland und behauptet sie wollte sich mit dem Beethovenfestspielhaus ein Denkmal setzen!
http://www.elo-forum.net/archiv.php?option=com_content&task=view&id=2297&pop=1&page=0&Itemid=281
Sehr provokant! Mit der Endlosdiskussion um das Festspielhaus bei fehlender Finanzierung im zweistelligen Millionenbereich wirft das allerdings Fragen auf.
Sollten wir die nicht stellen? Was sagt Stadtdechant Schumacher dazu? Der hopst jetzt bei den Festspielhausfreunden herum. Erinnert das nicht an den Tanz ums Goldene Kalb!
Feuerfeger am 22. Oktober 2011 @ 12:35
Toller Vergleich! Das Festspielhaus und das WCCB:
„Und der König hielt einen Rat und machte zwei goldene Kälber und sprach zum Volk: Es ist zuviel für euch… 1. Kön. 12,28–30
Custos am 22. Oktober 2011 @ 18:02
Monsignore Schumi diskutieren über Weihnachten soziale Fragen, Gott und die Welt. http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=390748
AchWas am 22. Oktober 2011 @ 20:36
AchWas hat was vergessen. Im GA – Beitrag steht alles Wesentliche. „Unsere Arbeit ist ein Stück Solidarität mit der Stadt”, sagte der Stadtdechant zum
Gastgeber der “Rheinlobby”.
Gastgeber “ist der Investor und Betreiber des World Conference Centers Bonn, SMI Hyundai. Die Gäste, stets zwischen 400 und 500, kommen aus Politik und Wirtschaft. Ziel der Veranstaltung ist es, untereinander Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen”.
Nachträglicher Exorzismus weil man das “Böse” anbetete, das in einem selbst steckte?
Ernst Herzog am 23. Oktober 2011 @ 11:51
@ albert sorglos
Keine Frage, die verlogene Truppe der Männer, die sich in frommer Einfalt zu den Einflussreichen der Stadt zählen, sind es nicht gewohnt, dass man sie durchschaut. Ihr Motzen im Bonner Boulevardblättchen zeigt das deutlich.
Der beleibte Kirchenmann bezieht “unten an der Barrikade” Stellung, (Parteinahme steht im nicht zu) und der blutleere IHK-Öffentlichkeitsarbeiter reagiert dünnhäutig, wenn Bedeutungsschwund droht.
http://www.express.de/bonn/manifest–fuer-bonn–unchristlich–cdu-brueskiert-kirchen,2860,8446664.html
Kiirche und IHK sollten sich um ihre eigenen Schäflein kümmern. Die einen stehen bei Bouvier vorm “Hasenfester”, und von 53.000 Pflichtmitgliedern der IHK Bonn nehmen nicht einmal ein Zehntel bei wichtigen Wahlen teil.
Was die Bonner Ratskoalition vom “Angebot” der Herrschaften hält (“Interessiert uns nicht”) ist bereits im Verhalten der Mitglieder dieser beiden “Organisationen” gängige Praxis. Peinlich, peinlich!
Wachtberger am 9. November 2011 @ 21:21
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