Bilder des rheinischen Expressionisten Franz M. Jansen im Kunstmuseum

(Bonner Presseblog) Mit Bildern von Franz Jansen setzt das Kunstmuseum Bonn seine Ausstellungsreihe der Rheinischen Expressionisten fort. Nach Hans Thuar, Paul Adolf Seehaus und Heinrich Campendonk ist ab Freitag, 20. April, eine Auswahl der Werke Franz M. Jansens aus der Sammlung des Kunstmuseums in den Räumen des Erdgeschosses ausgestellt, begleitet von Informationen zum Leben und Werk.

Wie viele Maler aus dem Kreis der Rheinischen Expressionisten war auch Franz M. Jansen kein akademisch ausgebildeter Künstler. Schon während seines nicht abgeschlossenen Architektur­studiums begann er autodidaktisch zu malen. Dabei experimentierte er mit vielfältigen Anregungen. Insgesamt hat Jansen auch im Vergleich zu anderen Rheinischen Expressionisten eine stilistisch und inhaltlich besonders komplexe Entwicklung durchlaufen. Ein Bild wie “Märchen­wald” dokumentiert durch seine flächige ornamentale Gestaltung den Einfluss des Wiener Ju­gendstils, mit dem er während seines Aufenthalts in Wien in Berührung kam.

Zu den ersten wesentlichen und anhaltenden Eindrücken gehört seit 1910 die Kunst van Goghs, “dessen innere Glut und der Lebensdrang der Gestalten und Gestaltungen” Jansen sehr berüh­ren. Die intensive Beschäftigung wird nicht nur in den nun bevorzugten Landschaftsdarstellungen und dem häufigen Thema der Ernte, sondern vor allem im flackernden Gestus der Pin­selstriche und dem pastosen Farbauftrag anschaulich. Das Gemälde “Gemüsegarten” integriert durch die Steigerung der einzelnen Farben zudem Erfahrungen des Fauvimus. Das Porträt von Elsbeth Kreutzer, der Schwester von Jansens Ehefrau, wirkt entspannter, behält aber die fau­vistische Leuchtkraft der Farben bei. Die Bilder “Weggabelung” im Wald” und “Bei Rees” mildern die farbigen Kontraste, bündeln und verschärfen zugleich die Bewegungen der Formen.
Dabei ist Jansens Malerei weniger Expressionismus als expressiver Realismus. Auch den Weg in die Abs­traktion geht er nicht mit, sondern bleibt der sichtbaren Wirklichkeit verpflichtet. Neben seinen malerischen Arbeiten hat Jansen ein umfangreiches grafisches Werk geschaffen, in dem er seine künstlerischen Absichten besonders klar zu formulieren vermochte. Zwischen 1910 und 1956 entstehen Einzelblätter und zahlreiche Zyklen mit Holzschnitten und Radierungen in ei­nem großen Radius von Themen: Landschaft, Industrie, Krieg, Großstadt, der Rhein. Nach dem Ersten Weltkrieg verschiebt sich Jansens Kunst deutlich zu einer gesellschaftskritischen Hal­tung, ohne die Darstellung einer harmonischen Natur aufzugeben.
Impressionistische Auflockerungen, sachliche Objektivität, spätexpressionistisches Pathos und karikierende Schärfe des Verismus stehen nebeneinander. Das Gemälde “Promenade” ist Beispiel einer Hal­tung, die als Neue Sachlichkeit nüchtern und desillusioniert die Gesellschaft der Weimarer Re­publik schildert und längst die künstlerischen Fragen des Rheinischen Expressionismus hinter sich gelassen hat.

Kontakt:
Kunstmuseum Bonn
Pressesprecherin Dr. Ute Herborg-Oberhäuser
Telefon: 0228/77-6223
E-Mail: ute.herborg-oberhaeuser@bonn.de

20.04.2012 | 17:51 | Autor: bonn |

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