F. Naujoks im Studieninstitut Emscher-Lippe: Lernen vom Fachmann?
(Bonner Presseblog)
Friedhelm Naujoks, wollte wieder unterrichten. Das, was er am besten kann: „Betreiberpflichten – Was Sie als Verantwortlicher für öffentliche Gebäude und Einrichtungen wissen sollten“.
Wo? An einer beruflichen Bildungsstätte des Öffentlichen Dienstes in Dorsten. Gerade war Friedhelm Naujoks seiner Verantwortung für das Wasser an öffentlichen Schulen verlustig gegangen, aber der Bonner Oberstaatsanwalt van der Linden hatte das zunächst eingestellte Verfahren gegen den SGB-Betriebsleiter a.D. wegen des unverantwortlichen Einsatzes von illegalen Desinfektionsanlagen wieder aufgenommen.
Also musste das kommunale Bildungsinstitut gewarnt werden, zumal Friedhelm Naujoks auch beim WCCB mit vorsätzlicher (?) „Schlechtleistung“ aufgefallen war. Das unverantwortliche Fälschen von Testaten zur Erlangung öffentlicher Gelder in zweistelliger Millionenhöhe (für das WCCB) soll schließlich keine anderer Verantwortlicher lernen!
Gesagt getan, die Warnung vor dem SPD-Mann ging an die Oberaufseher des Studieninstituts, die zufällig der gleichen Partei angehören.
Die Rückmeldung kam am 25.05.2012: Genosse? Kennen wir nicht, nie vorher gesehen, bei uns kann jeder Seminare abhalten, Parteizugehörigkeit völlig Wurst, wir heißen hier alle Hase!
Ganz so ging es natürlich nicht zu, aber nachdem das „Studieninstitut für kommunale Verwaltung Emscher-Lippe“ einer der Meilensteine in der zweifelhaften „Karriere“ (zur Seminarankündigung bitte scrollen) des Straftäters Naujoks war, klingt die Rückmeldung des Institutsleiters etwas unglaubwürdig: „Dass Herr Naujoks SPD-Mitglied ist, wussten wir nicht“.
Spätestens als er von 1990 bis 1996 bei der Stadtverwaltung Essen diente, muss er als SPD-Parteimitglied aufgefallen sein. Im Jahr 1991 erschien nämlich sein aufsehenerregendes Büchlein „Ökologische Erneuerung der ehemaligen DDR“ in der Reihe „Praktische Demokratie“ der „SPD-nahen“ Friedrich Ebert-Stiftung. Auch beim Antritt der Stelle in Herne (1996) und bei der Übernahme der Werkleitung des Immobilien Service Betriebes (ISB) der Stadt Bielefeld im Jahr 2001 wird man nicht nach dem Parteibuch gefragt haben. Naujoks, der ständig als gut bezahlter Seminarleiter herumtingelte um u.a. auch die eigenen Mitarbeiter aus Bonn „fortzubilden“, war im Ruhrgebiet bestimmt völlig unbekannt. Nun soll aber nicht ein ehrwürdiges Institut madig gemacht werden, das im Ruhrgebiet ganz zufällig unter „parteipolitischer“ Aufsicht steht, sondern gezeigt werden, dass Anmeldungen für Naujoks-Seminare überflüssig sind:
Sehr geehrter Herr Riemann,
Sie haben sich per E-Mail mit der folgenden Beschwerde an den Verbandsvorsteher des Zweckverbandes für das Studieninstitut für kommunale Verwaltung Emscher-Lippe und an den Vorsitzenden der Verbandsversammlung gewandt:
Sehr geehrter Herr Süberkrüb,
sehr geehrter Herr Bennarend,
ich gehe davon aus, dass Sie nicht persönlich überwachen können, wer so alles im „Studieninstitut für kommunale Verwaltung“ Emscher-Lippe Seminare abhält, bzw. demnächst abhalten soll.
Vielleicht haben Herr Schmitz und Frau Baars auch nur „gepennt“ und es ist ein Versehen und keine Parteisolidarität?
Ein SPD-Mitglied, das mindestens eine Straftat begangen hat, und das sich im Rahmen von „Testatfälschungen“ ausgerechnet demnächst vor Gericht in dem „Arbeitsbereich“ zu verantworten hat, http://www.sta-bonn.nrw.de/presse/aktuell/WCCB_23-3-12.pdf * über den das Seminar läuft, sollte ein kommunales Institut aber nicht beschäftigen.
Peinlich: der Referent hat seine äußerst zweifelhafte Karriere, die eigentlich einen Parteiausschluss erforderlich machen würde, ausgerechnet in dieser kommunalen Institution gestartet.
(* Die gegen die Beschuldigten Young Ho Hong, Friedhelm Naujoks, Detmar Kühl und Bernhard Arzdorf geführten Ermittlungen wurde ausgetrennt und werden nunmehr in einem gesonderten Verfahren abgeschlossen.)
Mit freundlichen Grüßen
Peter Riemann“
Da die Auswahl der einzelnen Seminarthemen und der Referenten dem Studieninstitut obliegt und nicht den Organen des Zweckverbandes, hat Herr Süberkrüb sich über den Vorgang informiert und mich als Studienleiter gebeten, Ihnen zu antworten. Die Mitarbeiter des Instituts sind parteipolitisch nicht aktiv. Dass Herr Naujoks SPD-Mitglied ist, wussten wir nicht; es ist für unsere Arbeit bedeutungslos. In Kenntnis einiger Presseartikel aus der Region Bonn haben wir uns entschieden, das Seminar mit Herrn Naujoks ausfallen zu lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Schmitz
Studieninstitut für kommunale Verwaltung Emscher-Lippe
Schillerstraße 26
46282 Dorsten
Man sieht, wie wichtig Presseartikel sind, man muss sie nur lesen. Die Leitung des Studieninstituts wird hoffentlich in Zukunft besser aufpassen. Auch im Vorfeld des WCCB-Desasters hätte ein Blick ins Internet genügt, um die faule Nummer zu durchschauen!
09.07.2012 | 14:37 | Autor: Riemann |


















Kommentare
Nun, die email an das Studieninstitut ist relativ frech, ein neutralerer Ton bei Hinweis auf einige Presseartikel hätte das Ziel vermutlich auch erreicht.
GGG am 9. Juli 2012 @ 14:52
@ GGG
Dieser Phase bin ich entwachsen, dank meiner Bonner Erfahrungen. Auf einen frechen Klotz gehört ein frecher Keil. Der eingestellte Schlafmodus wird sonst nicht abgestellt.
Es gibt ein wahres Netzwerk dieser “sozialen” Institute bei denen der SGB-Leiter a.D. sich eingenistet hatte (VHW, KBW, Innovative Stadt, etc.), zu Lasten des Steuerzahlers.
http://bonner-presseblog.de/2011/01/11/sgb-friedhelm-naujoks-bonn/
Herr Naujoks war mit seinen “Seminarchen” in doppelter und dreifacher Hinsicht schädlich.
http://bonner-presseblog.de/wp-content/uploads/2011/10/archiv/niedersächsisches_studieninstitut_korruption_2002.doc
Bitte lesen Sie auch Abschnitt 3. in:
http://bonner-presseblog.de/2009/05/29/bonn-anzeige-wg-mehrfachem-korruptionsverdacht-beim-sgb-2/
Interessant der Hinweis des Akademieleiters auf “einige Presseartikel”. Ist die Mitteilung der StA Bonn nicht viel zwingender als Auschlusskriterium?
Wenn die Namen Naujoks und Dieckmann in Verbindung mit dem WCCB-Skandal bereits in Süddeutschland und Holland in Fachkreisen bekannt sind, sollte man meinen, dass Dorsten nicht im Tal der Ahnungslosen liegt…
Nur zum Training: googeln Sie einfach mal “Friedhelm Naujoks”, na?
Peter Riemann am 9. Juli 2012 @ 18:20
Jetzt ahne ich, wer beim Einschleusen von ISB-Werkleiter Friedhelm Naujoks mit beteiligt gewesen sein könnte.
FraktionsFrau Bärbel Richter arbeitet im Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Die hatte sicher Wind bekommen vom “Besten der Besten” aus Bielefeld und das der anderen Bärbel gesteckt…
Guido Kanthaken am 9. Juli 2012 @ 20:39
Das ist eben ein Spitzenmann…………gewesen!
“Angesichts der erheblichen Ausweitung von Naujoks` Zuständigkeits- und Verantwortungsbereichs – er hatte zuletzt auch noch das Tiefbauamt und damit die Personalverantwortung für weitere 350 Mitarbeiter sowie das Finanzcontrolling für das derzeit im Bau befindliche Kongresszentrum im Bundesviertel übernommen – seien die Änderungen seines Vertrages “nachvollziehbar” und “plausibel”.
http://www.general-anzeiger-bonn.de/lokales/bonn/Das-hoehere-Gehalt-fuer-Naujoks-haelt-Koeln-fuer-nachvollziehbar-article139941.html
der Hausmeister am 9. Juli 2012 @ 21:18
Das kenn ich auch. Diese Institute beschäftigen reihenweise Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes, die wiederum Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes unterrichten. Dreimal darf man raten, wer davon profitiert!
Dieser Herr Naujoks möchte sicher seine schmale Rente aufbessern.
Honnefer am 10. Juli 2012 @ 00:05
Naujoks hat wie viele Menschen im Alter ein Problem. Er will nicht aufhören und es fällt ihm schwer Macht abzugeben. Leider gibt es bei der WHH keinen Job für ihn…
Ulrich Kalber am 10. Juli 2012 @ 20:02
Sehr geehrter Herr Riemann,
Sie scheinen sich sehr sicher zu fühlen. Sie bezeichnen in Ihrem Pamphlet Herrn Naujoks als Straftäter (ohne Anführungszeichen)! Nach wie vor gilt auch in Bonn die Unschuldsvermutung. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen der Ex-Betriebsleiter mit Anwalt aufs Dach steigt?
S. Cremer am 11. Juli 2012 @ 10:20
Sehr geehrter Herr Cremer, keine Angst. Ohne auf die Gesamtproblematik des inzwischen wieder eröffneten Ermittlungsverfahrens einzugehen, erkennt die Staatsanwalschaft auf Seite 13 des Ermittlungsberichtes
http://bonner-presseblog.de/wp-content/uploads/2012/07/Straftat-Naujoks-Ermittlungsbericht-S.-13-der-StA-Bonn-vom-07.02.2012.jpg
einen klaren Verstoß gegen den § 4 Abs. 2 der TrinkwV 2001. http://www.buzer.de/gesetz/3131/a44379.htm
Der leitet über zum § 24 Straftaten, der sog. “Verbotsnorm”: (1) Nach § 75 Absatz 2 und 4 des Infektionsschutzgesetzes wird bestraft, wer als Unternehmer oder als sonstiger Inhaber einer Wasserversorgungsanlage nach § 3 Nummer 2 Buchstabe a, b oder, sofern die Abgabe im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit erfolgt, einer Wasserversorgungsanlage nach Buchstabe d oder Buchstabe e oder einer Wasserversorgungsanlage nach Buchstabe f vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 Absatz 2 oder § 11 Absatz 7 Satz 2 Wasser als Trinkwasser abgibt oder anderen zur Verfügung stellt.
http://www.buzer.de/gesetz/3131/a44399.htm
Es liegt also eine Straftat vor, und da Schulen zu den öffentlichen Einrichtungen zählen (sonst wäre der SGB-Chef a.D. gar nicht zuständig gewesen) kann Herr Naujoks als “Inhaber einer Wasserversorgungsanlage” (des städt. Eigenbetriebs SGB) durchaus als Straftäter bezeichnet werden.
Peter Riemann am 11. Juli 2012 @ 11:52
Danke, Jetzt kapier ich endlich diesen Quatsch mit dem “nicht öffentlichen” Wasser für das der SGB-Mann nicht verantwortlich gewesen wäre.
Philipp G. am 11. Juli 2012 @ 16:37
@ Philipp G.
Olle Kamelle, soweit ist der Staatsanwalt auch schon (siehe GA vom 14.06.2012).
GanzGrüner am 13. Juli 2012 @ 11:13
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