Bonner Opern(kon)fusion: Niemand hat die Absicht eine Machbarkeitsstudie zu vernichten…

(Bonner Presseblog)

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Am Mittwoch war es wieder soweit: der Bonner SPD-OB Jürgen Nimptsch und der Kölner SPD-OB Jürgen Roters „stonn zesamme“, ganz zufällig, machen in Kooperation und unterzeichnen einen gemeinsamen Auftrag für eine „Machbarkeisstudie“ zur Fusion der beiden Opernhäuser.

Wenig sensibel eingefädelt war das Ganze, denn nach der für Bonn unseligen Sparkassenfusion mit Köln kommt so etwas nicht gut an. Einen Tag später war der Vorgang schon nicht mehr das Papier wert, auf dem er geschrieben stand: der Bonner Rat rüffelte den eigenmächtigen OB und zwang ihn zum Rückzug.

Der Kölner OB, der in der Fernsehsendung das Unwort „Machbarkeitsstudie“ ebenfalls in den Mund genommen hatte, wurde Freitag im GA zitiert: „OB Jürgen Roters ruderte zurück. „Die ganze Sache war wohl nicht so gut kommuniziert“, räumte er ein und fügte hinzu: „Der Impuls, der Druck kam aus Bonn.“ Und weiter: „Von einer Machbarkeitsstudie kann überhaupt keine Rede sein.“

Jürgen Nimptsch, der „immer noch nicht realisiert“ hat, „dass er ein OB ohne Mehrheit ist“, steht nach der Rolle rückwärts seines Kollegen einmal mehr als begossener Pudel da. Wer Nimptsch kennt, weiß dass dies vermutlich nicht das letzte Köln/Bonner „Mistverständnis“ sein wird. Weitere Fettnäpfchen stehen bereit, denn das WCCB mit seiner 80 Millionen-Euro Frage verbindet wegen der Sparkassen-Fusionitis beide Städte nach wie vor aufs Innigste.

Das geflügelte Ulbricht Wort vom Juni 1961 „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“, hätte sinngemäß auch von Bärbel Dieckmann in der Endphase ihres kommunalen Schaffendranges verwenden können: „Niemand hat die Absicht eine Bürgschaft aufzunehmen.“

Das „Kommunaldarlehen“, als Mittel der Wirtschaftsförderung ist als Schuldenlast der Stadt Bonn aber nun einmal da, ebenso wie die leidige Fusion der Sparkassen Köln und Bonn.

Nicht zuletzt durch die Vorarbeit der damaligen Bonner Oberbürgermeisterin und heutigen Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann war die Zusammenlegung der Geldhäuser am 28.06.2004 durch Unterschrift der Eigentümer installiert worden. Alles war „unter enormen Zeitdruck schnell vorangetrieben worden“ berichtete die FAZ: Vier-Augen-Gespräch zwischen Gustav Adolf Schröder (Köln) und Michael Kranz (Bonn) am 17. Oktober 2003 und Fertigstellung der Fusionsverträge im März 2004.

Noch immer hält sich hartnäckig das Gerücht: die karrierebewusste Bonner Oberbürgermeisterin habe bei dem Fusions-Deal kräftig mitgewirkt, um im Gegenzug von der Kölner SPD Unterstützung auf ihrem Weg ins SPD-Parteipräsidium zu finden. Das hatte auch geklappt, am 08.12.2003 und wie man hört, mit den Stimmen der Kölner, der Bergischen, der Rhein-Erft SPD und der Leverkusener Genossen.

Irgendwie überzeugt die Theorie, denn zeitgleich, Ende 2003 war der Zusammenschluss zur Fusion der „Sparkasse KölnBonn“ angekündigt worden!
Der Hunger nach weiteren Fusionspartnern war damals groß. Leverkusen die Geburtsstadt von Bärbel Pritz und Düsseldorf sollten ursprünglich mit ins Boot. Je mehr Sparkassen, desto größer die Bürgschafts-Potentiale zur Wirtschaftsförderung und damit zur Macht und ihrem Erhalt, wird sich damals so mancher gedacht haben.
Heute werden die beiden Kommunen heilfroh sein, dass es „zum Glück (nur) eine SPK KölnBonn gibt.“

Diese KölnBonner-Konstruktion ist heftig in die Kritik geraten, denn Politiker und Investoren sollen kräftig abkassiert, und ein Fiasko produziert haben, das bis heute anhält und für fünf Videos reicht. Vermutlich wegen des WCCB-Skandals ist völlig untergegangen, dass am LG Bonn noch ganz andere hochkarätige „Angelegenheiten“ aus diesem Umfeld verhandelt werden: eine Reihe von Investoren u.a. die Familie Deichmann, der frühere VW-Chef Dr. Carl Hahn, die Harald und Hilde Neven DuMont-Stiftung, klagen gegen den Oppenheim Esch-Fonds.

Vertreten werden sie von Luther.Lawfirm.com, die gerade mit RA Zvi Tirosh vor dem OLG Köln ein Urteil zu Gunsten von Arazim Ltd. erstritten hatte: „Das Gericht hat die Berufung gegen die einstweilige Verfügung zugunsten der Israelisch-Zypriotischen Firma im Eigentümerstreit um das World Conference Center Bonn (WCCB) aus dem Jahr 2009 zurückgewiesen. Damals hatte das Urteil zugunsten von Arazim ein Medienecho ausgelöst, weil der Bonner Stadtrat über den Inhalt der Übertragungsverträge von der städtischen Verwaltung nicht ausreichend informiert worden war.“

Wem dieses rheinische Tohuwabohu im Raum KölnBonn reichlich irre vorkommt, der dürfte auf der sicheren Seite liegen. Parallel zur Video Lachnummer mit den beiden SPD-Oberbürgermeistern kann man im WDR sehen, was der nächste Schritt sein könnte nach einer Fusion, die Geld einsparen soll: die Abkopplung des kleineren Partners….auch um Geld einzusparen!

Duisburg, die politische Heimat von SPD-Regierungspräsidentin Gisela Walsken und SPD-Innenminister Ralf Jäger, beide irgendwie in die Dieckmann-WCCB-Sache verheddert, könnte als Modellfall-Menetekel für Bonn herhalten, nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark…gefährdet!

Kommentare

  • Kommentiert:17.12.2012
  • Autor:Schwimmende Opernfreunde

Solveig Palm, Vorsitzende des Netzwerks Ludwig van B., wird im GA vom 15.12.2012 zitiert:
„Fachleute sind sich einig, dass Einsparungen nur dann zu erzielen sind, wenn einer der Partner (wie beim Modell Düsseldorf-Duisburg) nur noch ,Bespielhaus‘ ohne eigenes Ensemble ist. Das werden weder Kölner noch Bonner mitmachen.“
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bonn/In-der-Bonner-Kulturszene-herrscht-Unverstaendnis-article928211.html

Scheinbar hat Frau Palm noch nicht mitbekommen, worauf Herr Heiterborn mit dem Link zum WDR Beitrag „Scheitern nach über 50 Jahren“ mit Recht verweist: die schleichende Gefahr eines Opern-Todes auf Raten.
Die „Ehescheidung“ zwischen Düsseldorf und Duisburg wurde zwar abgewendet, aber um den Preis einer „Amputation“: das hochgelobte Balett wurde ausgegliedert.
http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/opern-ehe-ist-gerettet-1.2871700

Die unkoordinierte Mängelverwaltung der OB´s Nimptsch + Roters mit anschließendem Abwatschen und Zurückrudern hat bereits einen Vorläufer: auch in Duisburg kippte der Stadtrat den Vorschalg der Verwaltung.
http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/opernehe-duesseldorf-duisburg-wird-nicht-geschieden-id6809660.html
Frage der schwimmenden Opernfreunde: wann wird diese Kakophonie beendet?

  • Kommentiert:17.12.2012
  • Autor:theaterfreund

Man könnte hinzufügen:“Niemand hat die Absicht eine Hallenbad zu schliessen.“ Zumindest war dies der Kern aller Beschwichtigungen seitens der Ratsvertreter, als Ende September der Haushaltsentwurf 13/14 die jetzt beschlossenen Bäderkürzungen enthielt.

Für wie blöd hält man die Bevölkerung eigentlich? Nun sollen die Bürger gefragt werden, ob eher die Eintrittspreise erhöht oder Bäder geschlossen werden sollen.

Die gleiche Befragung zum Thema Opernkarten (z.Zt. rund 250 Euro Zuschuss aus Steuergeldern pro Karte) wird völlig tabuisiert.

Kein Opernfreund traut sich, diesen dekadent hohen Zuschuss zu rechtfertigen – wie auch? Stattdessen verunglimpft man alle Nachfrager als Kulturbanausen.

Und nach diesen Niveaulosigkeiten ist nun die Verwunderung groß, dass sich besonders dreiste Opern-Eiferer ermutigt fühlen, Bürgern die Worte wie ‚Gerechtigkeit‘ oder ‚Ausgewogenheit‘ in die Debatte werfen, totalitäre Propaganda vorzuhalten.

Eine andere Variation der versuchten Volksverdummung wäre: „Niemand hat die Absicht die Kammerspiele Godesberg zu schliessen.“
Zu allem Überfluss hat doch der Rat am 13.12.12 mit großer Mehrheit ein 113-seitiges Kulturkonzept ‚zur Kenntnis‘ genommen, nach dem der Spielort der Kammerspiele Godesberg geschlossen werden soll. Zur Rettung der Opernsubventionen werden nun also auch die Theaterfreunde bluten…

Schade, dass die Kommunalwahlen noch so lange hin sind, aber es gibt ja noch die Hoffnung auf Bürgerbegehren von PSB und IBBBO, bei denen die Bonner selbst in die Ratspolitik eingreifen können.

  • Kommentiert:17.12.2012
  • Autor:Jochen Bender

Ich finde man sollte jetzt die Initiative ergreifen und die 45 Millionen (oder waren es 54?) für das Beethovenfestspielhaus umleiten. Die waren unter dem Bonner Bürger Peer Steinbrück zugesagt worden. Ein Schwimmbad in der Hand ist mir lieber als eine Rheinwelle oder ein Diamant auf dem Dach!

  • Kommentiert:17.12.2012
  • Autor:Melbbadbenutzer

Das WDR-Lokalzeitvideo ist der Brüller. Der Roters grinst dauernd und scheint die Aktion nicht ernst zu nehmen…

  • Kommentiert:19.12.2012
  • Autor:mirreichts

„Gestern hat sich Ferdinand Kösters, Vorsitzender der Opernfreunde, in versöhnlichem Duktus an die Vereinigung Pro Sportstadt Bonn (PSB) gewandt“, schreibt der Bonner Generalanzeiger heute.

Dabei wird deutlich wo die eigentlichen Übeltäter und Klimavergifter sitzen: im Stadthaus!

Kösters: „Ich darf an das erste Gespräch zwischen der PSB und Vertretern des Kulturkreises am 1. März 2012 in Oberdollendorf erinnern, in dem sich herausstellte, dass sich der Protest der PSB BERECHTIGTERWEISE URSPRÜNGLICH GEGEN DIE STADTVERWALTUNG RICHTETE (!)

Wie lange müssen wir uns mit diesem „Nachlass“ von Frau Dieckmann noch herumärgern?

  • Kommentiert:20.12.2012
  • Autor:Frostbeule

@ Melbbadbenutzer

Bei Roters weiß man sowieso nie, ob er nicht ein Kölsch zuviel…

  • Kommentiert:20.12.2012
  • Autor:ProKultur+Sport

Langsam scheint Normalität einzukehren. Das Schreiben des Vorsitzenden des Landessportbundes NRW, Dr. C. Niessen kritisiert noch einmal die unseriöse Haltung des Brunnenvergifters Duvenbeck und zeigt deutlich wo das Problem liegt: „Die (Bonner) Lokalpolitik hat angesichts der kommunalen Überschuldung kaum noch Handlungsspielräume“.
http://www.general-anzeiger-bonn.de/media/931577–5221/Schreiben-2012-12-17.pdf
Was bleibt: die Politik muss für einen Interesseausgleich und den Abbau von Subventionsprivilegien sorgen und die Verwaltung muss sparen wo sie kann. Die Aufgabe von OB Nimptsch ist es daher, die unter Bärbel Dieckmann eingerissenen Fehlverhalten einer ineffizienten Verwaltungsführung zu korrigieren.
Wie das gehen soll weiß keiner, denn in Bonn ist die Inkompetenz im Verwaltungsvorstand parteiübergreifend. Unter Umständen sorgen zum Schluss doch noch die Gerichte für eine notwendige „Blutauffrischung“, die aber zu spät kommen dürfte. Bis dahin sind Gehälter im siebenstelligen Bereich verplempert, die dem Sport und der Kultur schon jetzt bitter fehlen.

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