Die Legionellenfalle (9): Die Optionen des Bonner Oberbürgermeisters

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(Bonner Presseblog) Dumm gelaufen! Ähnlich wie beim WCCB-Skandal die Sache mit dem spät aufgetauchten USB-Stick im Bereich des OB-Dezernates  (die SPD-Mannen Wilfried van Vorst und Jürgen Braun sind garantiert unschuldig!) so ist nun das Rätselraten groß, wie es mit der Affäre Naujoks weitergeht. Nach der Aufdeckungskampagne der „Legionellenfalle“ (1 bis 8) auf dem Bonner Presseblog, beginnend mit dem Artikel der NWZ vom Dezember 2002,  in dem Friedhelm Naujoks vor seiner „Lieblings-Desinfektionsanlage“ in Bielefeld posiert, bestehen für die üblichen Unschuldsvermutungen kein Anlass mehr: der Manager der einzigartigen Bonner Legionellenprophylaxe hat vorsätzlich und massiv gegen die Trinkwasserverordnung verstoßen.

Außerdem riecht es nach Korruption! Die Hinweise auf Vorteilsannahme, bzw. Vorteilsgewährung zwischen dem Geschäftsführer H.J. Dörfer der Fa. eco-wasser (heute eco-tron) in Celle und F. Naujoks werden immer deutlicher. Bei diesem Straftatbestand muss auch nicht unbedingt Geld fließen! Da hilft es auch nichts wenn der immer noch emsig ermittelnde Bonner Oberstaatsanwalt van der Linden versucht (anstatt Umfang und Auswirkungen der Naujoks´schen Schuldfrage angemessen zu würdigen) die offensichtlichen Verquickungen der Fa. eco-tron mit dem ehemaligen SGB-Betriebsleiter Naujoks zuständigkeitshalber an die Staatsanwaltschaft in Lüneburg weiterzureichen.

Funktioniert hat die Vertuschung der Straftatbestände im SGB nur durch eine jahrelange Manipulationsstrategie mit der die Politiker und die Öffentlichkeit hinters Licht geführt wurden. Das reicht von üppigen Mogelpackungen und verbalen Tricksereien in den Umwelt- und SGB-Betriebsausschusssitzungen bis hin zu gefälschten Unterlagen in Bürgerausschusssitzungen.

Beim Kassensturz sind es insgesamt mindestens 10 Vorgänge, die jeden Oberbürgermeister in Erklärungsnot bringen würden:

1.    in dem von der Fa. eco-wasser am 23.03.2006 gelieferten „Entlastungs-Protokoll“ einer Ausschusssitzung in Berlin fehlte die zweite Seite. Nach der kurz zuvor erfolgten Stillegung der illegal betriebenen Anlagen dieser Firma verkehrt sich mit der Seite 2 die „Stimmungsmache“ pro Inline-Elektrolyse in ihr Gegenteil.

2.    eine beim SGB eingegangene Mail des LVR an F. Naujoks (vor der ersten öffentlichen Vorstellung des von ihm entwickelten „Inline-Elektrolyse“) zeigt: das nicht zugelassene Verfahren der Chlorelektrolyse wurde vorsätzlich eingesetzt. Der Hinweis auf alternative Verfahren (die später zugelassen wurden) verschwand in der SGB-Ablage.

3.    das später „zurückgezogene“ Info-Papierchen von Thomas Frenzel für den Bürgerauschuss im April 2010 offenbart die manipulative Energie. „Man“ übernimmt die Angaben der Fa. eco-wasser, nichts stimmt und hinterher war das nur der „damalige Wissenstand“ des SGB.

4.    etwas untergegangen im Sinne der Beweisführung zur vorsätzlichen Straftatbegehung: F. Naujoks und die SGB-Leitung machten nach dem „THM-Unfall“ einfach munter weiter und: die „Vergabemodalitäten“ als Hinweis auf Korruptionsdelikte wurden nicht angemessen gewürdigt, leider auch nicht vom RPA.

5.    die aufgetauchte Unterlage mit dem größten Skandalpotential wird flugs vom Bonner Rechtsamt per Hand „entschärft“, weil die Originalkopie des UBA neben gravierenden Sinnentstellungen weitere „Macken“ des SGB offenbart. Die handschriftlichen Eintragungen der „UBA-Fragezeichen“ auf Seite 2 signalisiert die Fragwürdigkeit des Naujoks-Antrages.

6.    eine wichtige Rückmeldung per Mail des DVGW macht deutlich: die behauptete „DVGW-UBA Überprüfung“ des Naujoks-Desinfektionsverfahrens und eine mögliche „Zulassung“ war ein jahrelang andauerndes Betrugsmanöver der SGB-Leitung. Das UBA/TZW- Forschungsvorhaben (u.a. von eco-tron mitfinanziert!), bei dem es nicht um Legionellen ging, wurde von der SGB-Krake als schwarze Verdunklungstinte benutzt.

7.    Naujoks unseriöse „Vertriebsstrategie“ und Beweisführung der alleinseligmachenden „Anodischen Oxidation“ wird anhand seiner eigenen Publikation widerlegt und durch den Mitautor Prof. Dr. Grohmann per Mail bestätigt. Wichtige Schlussfolgerung: Naujoks hat pünktlich kurz vor Inkrafttreten der TrinkwV 2001 im Jahre 2003 der Stadt Bielefeld seine gesundheitsgefährliche „Erfindung“ aufgeschwatzt. Das betriebsimmanente Risiko der Desinfektionsnebenprodukte (u.a. Bildung von kanzerogenem THM) waren ihm seit Jahren als sachkundiger Verwaltungsmann durchaus bewusst. Anhand des ersten Fragezeichens auf Seite 2 des UBA-Originals wird noch einmal deutlich, dass die „chemikalienfreie“ Desinfektion“ der Chlorelektrolyse (!) ein jämmerlicher Bluff ist  , dem auch Oberstaatsanwalt van der Linden willig gefolgt ist. Das Deckblatt der eco-clean Infomappe zeigte also Wirkung!

8.    auch das von SGB-Abteilungsleiter Thomas Frenzel tapfer verkaufte Inline-Elektrolyse-Verfahren, das mit Natriumhypochlorit den Bakterien den Garaus macht, diente nur dazu die SGB- Straftaten zu vertuschen.  Überdeutlich ist auf der dritten Seite des Vortrages von Andreas Grunert/UBA zu erkennen, dass Natriumhypochlorit und sonstige Chlorprodukte in der Trinkwasserinstallation in Gebäuden nichts zu suchen haben!

9.    ein großes Fragezeichen dürfte dem Bonner SPD-OB ein weiterer Umstand bereiten: wie viel an Manipulationspotential liegt bei der „Einbindung“ des ehemaligen Stadtdirektors Dr. Kregel (CDU) vor. Friedhelm Naujoks hatte in seiner wahrheitswidrigen Stellungnahme dem RPA gegenüber und auch im Arbeitsgerichtsprozess stets die „Mitzeichnung“ benutzt, um die eigene Verantwortung kleinzureden.

10.    zu guter Letzt muss geklärt werden, inwieweit das Gesundheitsamt noch nicht bekannte Gegenwehr leistete, die u.U. von der „Obersten Heeresleitung“ unterdrückt wurde. Das Antwortschreiben des UBA verdeutlicht: Naujoks und sein Team hätten frühzeitig gestoppt werden können, bei entsprechendem Zusammenspiel zwischen den anderen Ämtern und der Politik.

Die dadurch mögliche Verdummung der Bonner Bürger, gerade zu dem Zeitpunkt als das Versagen der illegalen Anlagen zu ihrer Abschaltung führte, lässt erkennen, wie sehr das Presseamt unter Friedel Frechen (CDU) – ähnlich wie bei der Auladecke und beim WCCB – an den „informativen Mitteilungen“ und „Sachstandserklärungen“ zur Bonner Legionellenprophylaxe beteiligt gewesen sein musste! Der Bonner Oberbürgermeister befindet sich in der Endlos-Causa Naujoks in einer Art Abzugsschachsituation zwischen Strafrecht und Disziplinarrecht. Torkelnd zwischen SPD-Parteisolidarität und rechtmäßigem Agieren als Dienstvorgesetzter helfen dem OB weder fromme Sprüche aus dem Büro des Personaldezernenten Fuchs (CDU) noch ein zu kooperatives Verhalten gegenüber einem Oberstaatsanwalt, der gewaltsam zum Jagen gedrängt werden muss.

Der einzige Ausweg um ein Teil der Glaubhaftigkeit zurückzuerlangen, die OB Jürgen Nimptsch bereits verspielt hat wäre:

–        Anweisung zur Überarbeitung des RPA-Berichtes,

–        Einspeisen der nun bekannten straf- und zivilrechtlichen Tatbestände in das Berufungsverfahren vor dem Landesarbeitsgericht,

–        Aufsummierung der Schadensersatzansprüche, die der Stadt Bonn durch jahrelange betrügerische Machenschaften und Dienstvergehen des Ex-Betriebsleiters entstanden sind sowie

–        Suspendierung von Bruno Lossau und Thomas Frenzel von der Mitwirkung bei der WCCB-Fertigstellung incl. einer disziplinarrechtlichen Untersuchung wegen möglicher schuldhafter Beteiligung an allen bisher festgestellten Dienstvergehen.

Eigentlich ist das nicht zuviel verlangt!

Was bisher geschah: nachzulesen in „Die Legionellenfalle“ (Nr. 1 bis 8).

Kommentare

  • Kommentiert:21.08.2012
  • Autor:Kassandra

Werter Riemann,
man denkt eigentlich, nach der WCCB-Pleite, die m.M. eine Dieckmann-Affäre ist und deutliche Parallelen zur Nürburgring-Pleite des Herrn Beck aufweist, könnte den geplagten Bonner nichts mehr erschüttern. Aber die Legionellenfalle ist dann doch starker Tobak.
Es bleibt nicht einmal der Trost, dass andere es besser machen würden als der derzeitige OB. Die Alternative ist nicht vorhanden, so dass der Bürger sich mit Grausen abwendet.
Wenn das im Kleinen schon so ist, was ist dann mit dem EURO?

  • Kommentiert:22.08.2012
  • Autor:Sonja Mering

Der neue Beitrag zur Millionenfalle des Bonner Lokalblattes vergleicht den Nürburgring-Skandal mit der WCCB-Gruseltory. Jetzt lese ich, auch das Trinkwasser ist vor kriminellen Machenschaften nicht sicher. Da vergeht mir doch komplett die Urlaubserholung!

  • Kommentiert:22.08.2012
  • Autor:Peter Riemann

@ Kassandra

Ich würde nicht alles zusammenwerfen. Die EURO-Problematik treibt selbst den Fachleuten den Schweiß auf die Stirn und ein „echter“ Betrüger ist nicht in Sicht.
Andres beim WCCB und beim Nürburgring. Anlässlich der Vorstellung des Krimis im Jahre 2010 http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/nuerburgring-affaere-spannend-wie-ein-kriminalroman-nur-teurer-1998131.html
meinte Kurt Beck launisch zum Autor: er wette fünf Flaschen Ahrwein (!), dass sich am Ende das Projekt doch noch „rechnen“ werde.
Frau Dieckmann und ihr „Vergangenheitsbewältiger“ J.N. drücken das nicht so „charmant“ aus, aber am Ende ist der Steuerzahler (und Wähler) ebenfalls der Saudumme.

Die Frage stellt sich auch nicht, ob es jemand besser machen würde, als OB Nimptsch, oder der oberste Bonner „Legionellenvernichter“.
Nimptsch und Naujoks wollten, wie Bärbel Dieckmann, bei gutem, bzw. bestem Gehalt und Ansehen, die Verantwortung, also sollte ihr Wunsch in Erfüllung gehen…

  • Kommentiert:23.08.2012
  • Autor:clarissa

Bin gespannt, wie der OB sich da herauslaviert. Der BBB soll bereits eine große Anfrage gestellt haben!

  • Kommentiert:23.08.2012
  • Autor:Fachingenieur

Ein beeindruckendes Dokument, wie die Bonner Verwaltung mit Hilfe der Lokalpresse die Bevölkerung manipuliert:
http://bonner-presseblog.de/wp-content/uploads/2012/07/LVR-Mail-Ebbinghaus-an-Naujoks-vom-25.08.2005-wg.-GA-Artikel-Auch-nachts-….pdf
Der LVR meldet sich am 25.08.2005 auf den GA-Artikel (siehe Link, PDF-Seite 2)und berichtet von einem System,das „offensichtlich sehr gut arbeitet, jedoch bei den zuständigen Gesundheitsämtern nicht immer akzeptiert wird.“
Der SGB-Betriebsleiter hat sicherheitshalber das Gesundheitsamt nicht um die nötige Zustimmung ersucht und sein Verfahren im Generalanzeiger(zusammen mit anderen Erfolgsmeldungen) vorgestellt, um es dann am 08.09.2005 dem Schulausschuss aufs Auge zu drücken.
Eine Anlage zur „Anodischen Oxidation“ wird Anfang September als Pilotanlage im Konrad-Adenauer-Gymnasium eingebaut.“
http://www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/htm/05/0512322ST2.htm

  • Kommentiert:23.08.2012
  • Autor:Kläuschen

Etwas mühsam sich da durchzuwühlen, aber eines fällt auf, der oberschlaue Bonner Personaldezernent Fuchs hat das Arbeitsgerichtsurteil nicht verstanden, oder gar nicht gelesen.

  • Kommentiert:23.08.2012
  • Autor:Peter Riemann

@ Fachingenieur

Sie liegen richtig, eigentlich ist es noch viel schlimmer. Es gibt bereits am 14.04.2005 einen internen SGB-Vermerk (obwohl kaum Legionellen vorhanden sind):“Einbau einer Oxidationsanlage“.

Am 20.04.2005 schickt das SGB an die Fa. eco-tron die Zusammensetzung des Bonner Wassers. Am 03.06.2005 wird der Schulleitung des KAG mitgeteilt, es werde ein „Desinfektionssystem der Fa. Eco-Wasser eingebaut“, am 18.05.2005 wird der Vergabevorgang eingeleitet, am 24.08.2005 wird die Fa. Küpper beauftragt und am 09.09.2005 am Tag vor der Schulausschusssitzung) ist die Anlage bereits montiert und geht in Betrieb!

  • Kommentiert:23.08.2012
  • Autor:K. Maldonato

@ Autor

Sie schreiben man hätte die SGB-Sauereien viel früher stoppen können? Wie früh?

  • Kommentiert:23.08.2012
  • Autor:Peter Riemann

@ K. Maldonato
Theoretisch bereits bei der ersten Ankündigung im Schulausschuss am 08.09.2005.
http://www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/htm/05/0512322ST2.htm
Ein sachkundiger Bürger (oder ein integrer Verwaltungsmann, -frau) hätten beim DVGW nachfragen können, was es mit dieser „Anodischen Oxidation“ auf sich hat.
Weil dabei das Salz der hyopochlorigen Säure
http://de.wikipedia.org/wiki/Natriumhypochlorit
als (hoffentlich ausreichnendes) Desinfizienz im Leitungssystem – angeblich chemikalienfrei(!)- hergestellt wird, wäre die Frage aufgetaucht, was passiert mit hochreaktivem Chlor im Trinkwasser?

Ein DVGW Arbeitsblatt von 1997 (!) erläutert, auch für Laien einigermaßen verständlich, dass „bei Einsatz von Chlor zur Desinfektion…mit Bildung von Trihalogenmethan zu rechnen“ ist.

http://bit.ly/WYisET

Spätestens beim Surfen nach Halogenen im Netz entdeckt man u.a.:
„Chlor ist das am häufigsten benutzte Desinfektionsmittel. Seit 1974 ist allerdings bekannt, dass die Chlorung von Wasser zur Bildung von flüchtigen chlororganischen Verbindungen führt. Diese Nebenprodukte entstehen durch die Reaktion von freiem Chlor mit organischem Material. Die meisten der bekannten Nebenprodukte sind so genannte Trihalomethane (THM) einschließlich Chloroform, das bei Tieren eindeutig Krebs verursacht, und Chloramine, die im Verdacht stehen Allergien auszulösen.“
http://www.lenntech.de/desinfektionsnebenprodukte.htm

  • Kommentiert:24.08.2012
  • Autor:Cineast

Wie schön das zusammenpasst. Egal ob Legionellen oder WCCB. „Nachweislich falsche Tatsachendarstellung der Verwaltung“ schreibt das GA-Team zum WCCB Skandal. http://www.general-anzeiger-bonn.de/lokales/bonn/Verwaltung-soll-Rat-getaeuscht-haben-article839624.html
Was bisher dem staunenden Bonner Publikum durch OB Nimptsch als „smoking gun“ verkauft wurde (Rat und Verwaltung sind betrogen worden) verändert sich mit der Analyse von Kim´s Strafverteidiger schlagartig!
Mit dem letzten Satz des Artikels zeigt die Mündung der investigativen Waffe nun wieder auf Bärbel Dieckmann und ihre heute noch aktiven Verwaltungsgauner.

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