Die verfluchte Auladecke (2) – der Schlüssel zum WCCB-Skandal

Friedhelm_Naujoks_enttarnt
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Im ersten Beitrag dieser Serie, welcher den Auladecken-Multiskandal (vorsätzliche Baugefährung, Strafvereitelung im Amt und Prozessbetrug) im Konrad-Adenauer Gymnasium beschreibt und unter  Würdigung der diversen Ämter und der mitwirkenden Personen analysieren wird, versucht Friedhelm Naujoks den beauftragten Architekten in einem Gespräch „platt“ zu machen. Dabei tanzt der inzwischen beim WCCB-Skandal Mitangeklagte Maschinenbauingenieur wie weiland RUMPELSTILZCHEN um das Feuer seiner eigenen Erfolgskarriere.

Bonner Märchen

Dieses Bild kommt nicht von ungefähr, denn besonders in Oberbayern bezeichnet „a Rumpelstilz“ abschätzig einen – nicht unbedingt kleinwüchsigen – Choleriker. Das ist keine respektlose Definition, sondern ergibt sich als psychologische Quintessenz bereits aus dem ersten Gespräch im Städtischen Gebäudemanagemt Bonn. Friedhelm Naujoks nennt dabei natürlich nicht wie im Märchen seinen Spitznamen („Fritz der Schlosser“), sondern etwas, was als plausible Erklärung zur rätselhaften WCCB-Entstehungsgeschichte dienen könnte: seine guten Kontakte zu Staatsanwältinnen und Staatsanwälten. Unklar ist, ob er Staatsanwältinnen oder StaatsanwältInnen meinte, Namen nennt er nicht, aber einen erahnen wir anhand seiner früheren bundesweiten Beschäftigung als Seminarleiter: Rotlicht-Staatsanwalt Dietmar Eisterhues. Gleich zweimal, gibt Friedhelm Naujoks im ersten Protokoll diesen Hinweis auf die Strafverfolger. In Bezug auf das viele kriminelle Kerbholz, das er als ISB-Betriebsleiter in Bielefeld und als SGB-Chef und WCCB-Controller in Bonn gesammelt hat, könnte man den Rumpelstilzchen-Rezitativ flott umdichten zu: „Ach wie gut dass niemand weiß, dass ich auf Gesetze sch..ss!“

Eingängige Märchen wie die Story vom Großbetrüger Man Ki-Kim, der die Stadt Bonn und alle getreuen Seelen perfide leimte, kann man solange glauben, bis man erwachsen ist, oder die Zweifel überhand nehmen. Das war spätestens „nach der dritten und letzten Anklage in Sachen World Conference Center Bonn (WCCB) gegen Friedhelm Naujoks und Co.“ der Fall. Nicht nur „für Bonns Grüne und die CDU stand fest: „Die Aussage von Ex-OB Bärbel Dieckmann (SPD), wonach die Stadt eben einfach auf Betrüger hereingefallen sei, ist angesichts der Recherche-Ergebnisse der Staatsanwaltschaft allenfalls eine billige Ausrede gewesen“, so der Bericht im Generalanzeiger.

Vom KAG zum WCCB

Für alle Beteiligten im Stadthaus, denen die Schilderung des Auladeckenskandals im Konrad-Adenauer-Gymnasium zum Halse heraushängt, ein kleiner Trost: je nach Blickwinkel, bietet der facettenreiche Verwaltungsvorgang immer etwas Neues.

Mal ist es ein Techno-Krimi, der zeigt, wie aus Dummheit und Verwaltungsinkompetenz eine testierte Straftat und latente Baugefährdung wird (die selbst der Generalstaatsanwalt in Köln nicht erkennen will), mal ist es eine Sammlung peinlicher Anekdoten einer betrügerischen Old-Boys-Gang, mit Namen Herne-Connection, mal ein juristischer Dauerbrenner, der u.a. das schlitzohrige Kündigungungsverfahren von SPD-OB Jürgen Nimptsch (Stichwort Auflösungsvertrag Naujoks) ans Licht transportiert.

Auch als psycholgisches Lehrstück kann der Skandal dienen. Das erste Gespräche im SGB wirft die Frage auf, ob Friedhelm Naujoks zurechnungsfähig ist. Nach „normalen“ Werteparametern sicher nicht. Doch was ist in unserer Gesellschaft schon normal? Der Nürgburgring, die Elbphilharmonie, BER oder S 21? Analytische Erklärungen wie die von Prof. Reinhold Johrendt um zukünftige Bau-Probleme zu meistern sind nicht ausreichend, wenn die je andere „menschliche Natur“ außen vor bleibt. Doch wo bleibt eigentlich in der bundesrepublikanischen Bau-Skandalchronik das WCCB? Außer Man Ki-Kim kein Betrüger in Sicht. Wartet man mit den Vefahren gegen Hübner, Zwiebler und – in weiter Ferne gegen Naujoks + Co. bis die Eröffnung des WCCB gelaufen ist. Kann es sein, dass die Justiz bei privatwirtschaftlichen Profit-Skandalen anders agiert, als bei politisch prestigeträchtigen Projekten, welche der Steuerzahler ungefragt alimentiert?

Egomanische Führungskräfte legen Unternehmen lahm

Im Falle der Auladecke (in Folge auch des Legionellenskandals und des WCCB), wird  die psychologische Problematik  vom Ex-SGB Chef selbst im Gespräch entfaltet. Es dürfte das Phänomen des pathologischen Narzissmus sein. Man muss keine Bücher für den interessierten Laien lesen (Jürg Willi) oder sich durch wissenschaftliche Abhandlungen von W. Kohut oder von O.F. Kernberg/H.P.Hartmann durchbeißen. Grandiose Wahnvorstellungen lassen ahnen, dass eine Führungskraft aus der Spur geraten ist.

Wie will denn jemand einen SGB-Auftragnehmer „schützen“ indem er „überlegt, sich an den BDA zu wenden um mit diesem festzulegen, welche Architekten unter welchen Voraussetzungen ein eigenständiges Büro führen dürfen.“ (O-Ton Naujoks aus dem ersten Gespräch).

Abgesehen davon, dass der „Schutz“ in Form einer existentiellen Drohung daherkommt, ist nicht der BDA, sondern die für das SGB lästige Architektenkammer für die Berufsausübung zuständig. Die erdreistet sich doch das SGB zur Ordnung zu rufen! Liegt bei diesem Verwaltungshandeln gar ein Denk-Konzept vor, bei dem der angstmachende Geschäftspartner (der hat doch Anzeige erstattet!) in ein kollusives Muster gezwungen werden soll. Das klappt aber nicht, denn der „Partner“ dem der SGB-Chef Naujoks „Brücken bauen“ will (grandiose Wahnvorstellung Nummer zwei) wird nicht als eigenständiges Wesen wahrgenommen. Der Architekt konnte gar nicht anders, als Anzeige zu erstatten. Er musste sich auch wegen des Eissporthallendesasters in Bad Reichenhall aus versicherungstechnischen Gründen schützen.

Das psychologische Thema soll hier verlassen werden, nicht ohne vorher Jürg Willi zu zitieren: „Die phallisch-exhibitionistischen Narzissten finden wir als sozial akzeptierte Form vor allem in der Geschäfstwelt, deren Ideologie ihrer Charackterstruktur entspricht: dynamisch-rücksichtlos-selbstbezogen-erfolgreich.“ Damit hat man eine zumindest hinreichende Erklärung gefunden für das kollaterale Versagen des SGB insgesamt. Friedhelm Naujoks als vermuteter durchsetzungsstarker „Gebäudemanager“ verhinderte schon allein durch seine Ego-Problematik die Effizienz der Organisationseinheit. Wem jetzt eine Bonner Ex-Kommunalpolitikerin und ihre Verwaltungsmitarbeiter sowie ihre Rücksichtlosigkeit beim Umgang mit Steuergeldern einfällt, der ist selber schuld.

Das Verwaltungshandeln bei Auladecke (testierte Baugefährdung) und Legionellen-Desinfektionsanlagen (erwiesene Trinkwasserkontamination) lassen erkennen, Egomanen sind unternehmerische Risikofaktoren!

Naujoks, der Bock als Gärtner

Wer kennt sich mit Risikofaktoren bestens aus? Verrückterweise (Achtungs Psychologie) genau derjenige, der „fast ungenannt“ schon im Oktober 2007 mit seinem merkwürdigem Verhalten auffällig geworden war. Da muss man doch mehrere dicke Bretter vorm Kopf haben, um nicht zu erkennen, dass SPD-Lokalpolitiker und Rechtsanwalt Dieter Schaper schon damals (mit Hinweis aufs SGB) in weissagender Größe die Folgen des WCCB-Skandals voraussah: „Es gibt keine Liquiditätsprobleme, denn die Liquidität kommt von der Stadt“. Die Stadt, das sind aber die Bürger und ihr Portmonnaie

Wer rigide seine eigenen Vorstellungen umsetzen will, oder die ihm anvertrauten, bzw. sich zu eigen gemachten Ziele (notfalls gegen Gesetz und Moral) erzwingen will, benötigt einen willfährigen Apparat, eine politische Partei, mächtige Freunde und einen unerschütterlichen Dilettantismus. Profunde Fachkenntnisse sind nur hinderlich!

Last not least: Widerstände müssen gebrochen werden und auf dem Weg zum Erfolg dürfen die Finger ruhig mal schmutzig werden…

Das SGB schützt sich selbst

Schmutzig im verwaltungstechnischen Sinn machten sich im zweiten Gespräch im Büro Naujoks (ebenso genau protokolliert wie das erste) am 18.06.2007 nun auch weitere Herren der Verwaltung. Es waren dies neben dem Leiter des „Lenkungsteams“ Detmar Kühl auch der dienstbeflissene SGB-Mitarbeiter Axel Herwig. Der hatte einerseits als verantwortlicher Bauleiter durch vorauseilenden Gehorsam („Termine müssen gehalten werden, auch wenn hinterher alles rausgerissen werden muss“) bei der Auladecke völlig versagt, dafür aber viel von seinem großen Vorbild Naujoks gelernt.

Um bei seinem Chef einen guten Eindruck (Imagepflege) zu machen, drohte er dem Architekten analog zum „Fall Sankt Augustin“ eine Unterlassungsklage zu erwägen. Da hatte der „kompetente“ Teamleiter etwas gehörig mißverstanden. Nicht dem Architekten wurde was angedroht, sondern dem dortigen Bürgermeister. Der hatte sich „schützend“ vor seinen desolaten Fachbereich 9 gestellt, der vom Architekten auf jahrelang verschleppte Gesundheitsprobleme öffentlich hingewiesen wurde. Prompt wurde dem Architekten das zustehene Honorar verweigert. Ähnlich wie in Bonn (scheint eine beliebte Verwaltungsmasche zu sein) wollte man dem Architekten die „Schlechtleistung“ unterschieben, welche die Hochbauabteilung zu verantworten hatte. Fazit: der Bürgermeister wurde per Einstweiliger Verfügung gezwungen diese Lügen nicht weiter zu verbreiten. Die Kosten trug – wie immer –  der Steuerzahler…

Die SPD schützt ihr Parteimitglied

Große Hoffnung hatte sich der Architekt auf das Schreiben vom 12.06.2007 an Wilfried Klein (SPD), den damaligen SGB-Ausschussvorsitzenden gemacht. An die Argumentation in der detaillierte Schilderung (Punkt 13) wurde jedoch schon im Gespräch die Axt gelegt. Kein Wunder, frecherweise hatte der private Auftragnehmer dem „gesamtstädtischen“ Groß-Auftraggeber Naujoks vorgeworfen das Image (des SGB) höher zu bewerten als „Correctness“ beim Bauablauf und beim Handling des Skandals. Sowas geht natürlich gar nicht!

Deshalb machte der SGB-Chef „unmissverständlich klar, dass die Gesprächsführung nicht bei Herrn Riemann, sondern bei ihm liege und wiederholt, dass die Aussage „Image vor Correctness“ für ihn eine Ehrabschneidung darstellt.“

Des Mannes Ehre

Da bei der Mannesehre der Spaß aufhört, schaltete sich ein leitender städtischer Rechtsdirektor ein. Der war vorab angekündigt worden, was im Architekten die Hoffnung weckte, ein kompetenter und objektiver Jurist würde die verkorkste Sache entkrampfen. Die Hoffnung trog, es war nur Martin Krämer (CDU), Ex-Chef des Liegenschaftsamtes

Ehrenhalber muss man erwähnen, dass Martin Krämer beim WCCB, zumindest nach der eigenen Schilderung, wohl eher bremste und nicht der aktivste Mitmacher beim Skandal war. Eingebunden in das ganze Procedere war er dennoch nicht zu knapp (wie man aus dem RPA-Prüfbericht zum WCCB erkennen kann), was die Vermutung aufkommen lässt, kein Bürger in Uniform zu sein.

Extrem widersprüchlich, wenn nicht gar ein weiteres Beispiel für durchgängig unrechtmäßiges Verwaltungshandeln im Stadthaus am Berliner Platz ist das Agieren von Krämer, der sich mit seiner Kotau-Haltung in Richtung Naujoks und Klein unglaubwürdig macht. Finden wir doch im Internet folgendes Zitat: „Martin Krämer… stellte eindrucksvoll die zu beachtende Flut an nationalen, im diesbezgl. Vorreiterland NRW (!) und nicht zuletzt in Bonn (!!) einzuhaltenden Beschaffungsvorschriften dar… Mit ironischem Unterton (?), aber in Sache bestimmt, mahnte er, “Die Wirtschaftlichkeit der Beschaffung darf nicht zu einem vergabefremden Aspekt werden.“

War Krämers ironischer Unterton im Veranstaltungs-Rückblick: “Der schöne Schein der Nachhaltigkeit” in Bonn – Die Nachhaltigkeit in den Wettbewerb stellen“, der Mitwisserschaft um das pervertierte vergabefremde Verfahren beim WCCB geschuldet? War die Beschaffung der Auladecke nachhaltig? War es die Errichtung des Lügen-Gebäudes WCCB? Waren es die dysfunktionalen Trinkwasser-Kontaminationsanlagen in Bielefeld und Bonn? Und war nicht Krämer in den Orlean-Krimi um die Reuterstrasse 122 verwickelt? Kaaf soll gar nicht befugt gewesen sein, das Grundstück zu verkaufen. Ging das nur mit Martin Krämer? Ein Mitarbeiter aus dem Liegenschaftsamt soll sogar  im Kaaf-Büro gearbeitet haben. Lauter Gerüchte, alles erlogen, nur Zufälle?

Hatte Krämer als Angestellter der Stadt Bonn da etwas getan, was er nicht durfte? Hätte er nicht beim WCCB die Sturmglocken läuten müssen? Muss man ab einem gewissen Karrierelevel Recht, Moral und Anstand an der Amtsgarderobe abgeben? Bestätigt er diese Annahme nicht haargenau mit seinem Einsatz in der merkwürdigen „Besprechung“ im Büro Naujoks , die in versuchter Nötigung eines Auftragnehmers abgleitet?

Entschuldigung, Herr Klein…

Krämer, der „zuvor eingeräumt hat, dass er nicht mit allen Details des Falles vertraut sei, rät Herrn Riemann in einem zweizeiligen Schreiben an Herrn Klein (Vorsitzender Ausschuss SGB), deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass es ihm um eine ehrliche Auseinandersetzung geht.“

„Herr Krämer ist der Meinung, dass Herr Riemann machen kann, was er für richtig hält und dass man die Größe haben müsse, sich qualitativ auseinanderzusetzen. Noch einmal erfolgt der Rat an Herrn Riemann wegen des Zweizeilers an Herrn Klein (!)“

„Herr Kühl weist darauf hin, dass eine Darstellung der Positionen, die zur Gegenrechnung in Frage kommen notwendig ist und dass die vorliegenden Gutachten als Sachstandsdokumentation des SGB anzusehen sind.“

Lehrreich: das SGB beauftragte beim KAG als Gutachter z.B. keinen Fassadenfachmann (Statiker), sondern den Inhaber einer Metallbaufirma in der Hoffnung bei einem potentiellen Auftragnehmer ein positives Ergebnis für sich herauszuschlagen. Umwerfend war das „Gutachten“ nicht, bescheinigte aber dem SGB einen chaotischen Verfahrensablauf, weshalb „Verantwortlichkeiten (zwischen AG und AN, Anm.d. Verf.) nicht geklärt“ werden konnten!

Was von solchen Sachstandsdokumentationen des SGB zu halten ist, erkennt man beim WCCB. Die „Sachstandsbericht“ vom 14.September 2009, eine Art „pro-domo-PM“ verschwand aus dem Internet. Auch beim Legionellenskandal war zu erkennen, dass die Politiker mit getürkten „amtlichen“ Schreiben nach Strich und Faden belogen wurden.

Um es nicht zu spannend zu machen, sollen die weiteren taktischen Spielchen, Taschenspielertricks und das Verbiegen von Fakten der hochbezahlten Verwaltungsmannschaft hier nicht weiter ausgewalzt werden. Die monströse Farce erschließt sich beim Lesen des Protokolls.

Verwaltungsgaunerei: ein Jurist hilft aus

Eine Kleinigkeit ist jedoch bedeutsam. Nachdem Naujoks-Zuarbeiter Detmar Kühl (der angeblich Naujoks-Unterschriften perfekt nachmachen kann) seinen Beitrag zur SGB-Wahrheitsfindung geleistet hat, kommt erneut der „Leitende Städtische Rechtsdirektor“ Martin Krämer zu Wort: „Als das Einschalten der Staatsanwaltschaft Bonn durch Herrn Naujoks erwähnt wird, bittet Herr Krämer um Erläuterung, da dies unüblich sei…“

Das ist für einen Juristen doch eine bemerkenswerte Aussage! Eine faktisch vorhandene und später von der Staatanwaltschaft bestätigte Baugefährdung soll nicht gemeldet werden? Das grenzt wohl an das (auch beim WCCB-exekutierte) und bei Verwaltungen und Politiker ungeliebte Whistleblowing, ganz zu schweigen von der infamen „Ehrabschneidung“ eines hochgestellten Verwaltungsfachmannes, der in „gesamtstädtischer“ (ein Lieblingswort von Naujoks) Verantwortung steht…

Trapst hier – man schreibt das Jahr 2007 – bereits die WCCB-Nachtigall? Einige Jahre später fragen sich die Bonner, wie um Himmels willen unter Frau Dieckmann das jahrelange Versagen der Verwaltung geduldet werden konnte. War es das vielleicht gar nicht?  Waren immer wieder findige Köpfe wie der gut ausgebildete Martin Krämer mit „umwerfenden“ Vergabekenntnissen und innovativen Ideen (nicht nur für Männergesangvereine) am Werk? Wie man heute weiß, müssen Gaunereien, Mitmachen und Weggucken systembedingtes Alltagsgeschäft im Stadthaus gewesen sein. Herrschte solange Befehlsnotstand, bis unter Frau WHH-Präsidentin die WCCB-Bombe Anfang 2009 platzte? Stinkt der Fisch noch heute vom Kopf her?

Den Verdacht einer durchgängig bewusst unrechtmäßig agierenden Verwaltung wird alsdann bestätigt. Der vom SGB angeordnete Pfusch am Bau (den der Architekt verhindern wollte) mutierte zum  „Planungsfehler“, bei dem der Jurist Krämer erneut assistiert:

„Diesen Sachverhalt bezeichnet Herr Krämer als klassisches Eigentor für Herrn Riemann. Alles wird auf Grund des Termindrucks durchgewunken, obwohl falsche Pläne vorliegen. Dabei ist die Einhaltung von Terminen und Kosten ja Architektenaufgabe.“

Soviel Dummheit gepaart mit Frechheit ist direkt obszön: erstens hat das SGB etwas (Fatales) „durchgewunken“, zweitens entdeckte das SGB und der Gefälligkeitsgutachter Knobloch die angeblich „falschen“ Pläne merkwürdigerweise erst nach der Strafanzeige und drittens kann der Architekt Kosten und Termine nicht alleine einhalten. Das Fachamt muss selbstverständlich mit- und nicht falschspielen!

Alles was in Bonn zählt…

…ist – sancta simplicitas – das Bestreben Kosten und Termine halten zu wollen. Zum Schluss scheitert auch das, wenn ein Drittes fehlt, die mängelfreie Bauausführung. Wie sich im Büro von Friedhelm Naujoks zeigt, sorgte diese für Architekten wichtige Maxime für Erheiterung:

„Herr Riemann weist noch einmal auf die Aktenlage hin und macht deutlich, dass es um die Klärung der Frage geht: was ist da passiert? Die Erstellung eines mängelfreien Bauwerkes sei vorrangig und müsse unter Berücksichtigung von Terminen und Kosten erfolgen. Diese Äußerung sorgt auf SGB – Seite für Erheiterung.
Herr Riemann fühlt sich offenbar missverstanden und versucht mit etwas lauterer Stimmen seiner Auffassung Nachdruck zu verschaffen. Er wird von Herrn Naujoks ermahnt, nie wieder die Stimme in seinem Büro zu erheben“, woran sich der Architekt auch bis heute gehalten hat…

Das zweite Gespräch im Allerheiligsten

Mehr aus der fröhlichen Verwaltungsrunde erfährt man hier beim Lesen des zweiten Besprechungsprotokolls vom 18.02.2007

Ahnungslose Leser dürften schockiert sein. Angefangen hatte alles mit dem preisgünstigsten Bieter der Unterdecken-Sekundärkonstruktion. Die Firma aus Rheinbach wurde dankenswerterweise auf Anraten des Architekten von Abteilungsleiter Thomas Frenzel wegen Zeitverzug hinausgeworfen. Dann durfte der Zweitgünstigste ran, die Firma MS-Bau-Seiler aus Thüringen. Nach mehrmonatigem Hinhalten produzierte sie gleich mehrfach echten „Pfusch am Bau“ mit nicht zugelassenen und gefälschten Bauprodukten. Das kümmerte aber SGB-Mann Herwig nicht. Nach dem „System Seiler“ wurde weitergebaut

Bei diesem Verwaltungsirrsinn darf sich keiner wundern, wenn nach der jüngsten Meldung des GA beim WCBB immer noch der Wurm drin ist, alles teurer wird und Jürgen Nimptsch als OBer-Gesundbeter an die Grenzen seiner Potenz stößt.

Wegen der unpopulären Kostenbelastungen scheint die Politik aktiv werden zu wollen: „Bei öffentlichen Projekten soll der Zuschlag nicht automatisch an den Billigsten gehen. Nach dem Dauer-Ärger über Pannen und Preisexplosionen bei öffentlichen Bauprojekten will die Bundesregierung die Auftragsvergabe neu regeln. Wir wollen die Vergabepraxis ändern“, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). „Der Preis allein darf kein Ausschlusskriterium sein.“

Diese nachträgliche Ohrfeige für Naujoks + Co. ist der heutigen Ausgabe des Münchner Merkur zu entnehmen: „Bauprojekte sollen künftig an den qualitativ Besten vergeben werden – und nicht an den vermeintlich Billigsten,“ weil der „Billigste“ zum Schluss meist der Teuerste ist. Die Auladecke hat den Bonner Steuerzahler um die 500 – 600.000 Euro gekostet, wenn man zu den Brutto-Mehrfachbaukosten die man-power aller Verwaltungsleute, Gutachter (deren 7), Sachverständigen und Rechtsanwälte hinzuaddiert. Nicht gerechnet: Stadtverordnete, Ausschussmitglieder, Polizei und Staatsanwälte…

Haftung für Politiker?

Für den Normalbürger hört sich das gut an, doch wer schützt ihn vor inkompetenten Verwaltungsmitarbeitern, durchgeknallten Lügen-Gebäudemanagern und vor Lokalpolitikern, wie SPD-Mann Wilfried Klein, der seine Verantwortung der Parteisolidarität opferte? Bestimmt hatte er nicht rund um die Auladecke recherchiert, wie er 10 Tage nach dem SGB-Meeting in seinem Antwortschreiben behauptete. Vermutlich wurde über die Parteischiene informiert. Am Briefpapier ist zu sehen: der Politiker (SGB-Ausschussvorsitzender) wurde angeschrieben (Link s.o.) und der „große Parteivorsitzende“ antwortet,  unbedarft und schnöselig: ein typisches Bürgerverhöhnungsschreiben, die Demokratie lässt grüßen!.

Wilfried Klein hatte als Verwaltungsvorstand der SPK Köln-Bonn, so darf man folgern, beim WCCB auch auf „Augen zu und durch“ gesetzt. Die Interviews in der WDR-Lokalzeit zum WCCB zeigen einen, der möglichst schnell das Thema vom Hals haben will und der, wie Bärbel Dieckmann und demnächst Noch-OB Nimptsch folgerichtig, sich selbst ins politische Off verabschiedete.

Politische Verantwortung sieht aber ganz anders aus…

P.S. In Sachen Martin Krämer/Zentrales Vergabeamt wurden heute einige Fundstücke eingearbeitet.

Hier geht es weiter zur Auladecke Teil 3.   Mehr lesen…

 

Kommentare

  • Kommentiert:19.01.2015
  • Autor:Kassandra

In Österreich fordert das „Team Stronach“ eine Politikerhaftung. Weil nach dessen Auffassung alle die großen Korruptionsfälle nicht möglich gewesen wären, wenn es eine Politikerhaftung gäbe.

Felix Austria!

  • Kommentiert:21.01.2015
  • Autor:Bernhard Blunz

Hallo Herr Riemann,
die beiden Gesprächsprotokolle mit dem ollen Naujoks sind umwerfend.
„Stromberg-der Film“ (ich war im Feb. 2014 bei der Premiere in Köln) ist schwach dagegen.

  • Kommentiert:21.01.2015
  • Autor:Atonalis

Will hier jemand mit Hilfe einer „gefährlichen“ Auladecke eine phantastievolle Verschwörungstheorie beim WCCB konstruieren?

  • Kommentiert:22.01.2015
  • Autor:Riemann

@ Atonalis
Höre ich da einen kritischen Unterton? Ist doch sehr einfach: die handelnden Personen/Behörden, angefangen vom Kaaf-Skandal über die gefährliche F 0 – Auladecke (kein Brandschutz) im KAG und der Trinkwasserverseuchung („Legionellenvorbeugung“) bis hin zum WCCB-Desaster sind größtenteils identisch. Deshalb greift die „Zufallstheorie“ mit den „paar Betrügern“ nicht, welche die Bonner beim Konferenzzentrum reingelegt haben sollen. Dreh- und Angelpunkt ist ein Gebäudemanager, den man bisher „merkwürdigerweise“ immer wieder laufen ließ…

  • Kommentiert:22.01.2015
  • Autor:K. Echternach

Demnächst sind Frau Zwiebler und Herr Hübner an der Reihe. Wird das was bringen, oder erleben wir die Bonner Justiz als zahnlosen Tiger?

  • Kommentiert:23.01.2015
  • Autor:Kammerbulle

Lieber Riemann, als Bonner Kollege bewundere ich Ihren Wagemut. Aufpassen, sonst rücken Ihnen die Herrschaften, oder gar der Staatsanwalt auf den Pelz.

  • Kommentiert:23.01.2015
  • Autor:Peter Riemann

@ Kammerbulle
Danke. Nach Agatha Christie kann es nicht so schlimm werden:
„Hat er ein Alibi?“
„Er drückt sich sehr unbestimmt aus, Sir“
„Das beweist, dass er ein richtiger Architekt ist !“, erklärte Poirot…

  • Kommentiert:23.01.2015
  • Autor:Riemann

@ Preikschat-Dransdorf

Wie wärs denn mit Schadensersatzforderungen per Zivilklage? Bei Auladecke und Legionellenanlagen eindeutig erwiesen! Notfalls noch beim WCCB-Betrug. Da wird es spannend wegen der Landeszuschüsse. Bin gespannt wie sich die Behörden im „Vorzeigeland NRW“ da verbiegen werden…
Kleiner Trost: Naujoks wird nicht allein von der Bonner Hungerrente leben müssen. Die Seite 16 aus der skandalösen Ermittlungsakte des OStA van der Linden hilft weiter:
http://bonner-presseblog.de/wp-content/uploads/docs/uploaded/StA_Bonn_Ermittlungsakte_Naujoks_Seite_16.pdf

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