WCCB: Friedel Frechens fatales Vermächtnis

Friedel_Frechen_das WCCB_als_Bonner_Einfamilienhaus
Friedel_Frechen_das WCCB_als_Bonner_Einfamilienhaus
Friedel_Frechen_das WCCB_als_Bonner_Einfamilienhaus

Es war am am 9. August 2014 da durfte Haus & Grund Vorstandsmitglied Friedel Frechen in der „Lokalzeit“ des WDR-Fernsehens  zur aktuellen Einbruchsproblematik in Bonn Stellung beziehen. Er lehnte den Einsatz von „Bürgerwehren“ ab und verwies auf das Gewaltmonopol des Staates. Gleichzeitig seien aber auch die Eigentümer in der Pflicht, ihre Häuser besser als bisher gegen Einbruch zu schützen. Das vollständige Interview war in der Mediathek des WDR in voller Länge abrufbar. Der Beitrag beginnt bei 4:00 und das Interview mit Herrn Frechen bei 7:04.“

Realsatire…

Wer sich jetzt auf die Schenkel schlägt und meint, das sei eine Realsatire, der hat mit Recht zugehauen. Warum? Ganz einfach: Ex-Pressesprecher Friedel Frechen (CDU) ist gewissermaßen Experte in Sachen Betrug und Einbruch. Wie Bärbel Dieckmann in ihrer unvergesslichen Rechtfertigungsrede am 17.09.2009 echote er sinngemäß vor der WDR Kamera: „Wenn man Betrüger erkennen könnte, gäbe es auch keinen Betrug.“

…und ein Verdacht

War nicht auch im Stadthaus eingebrochen, vielleicht sogar etwas Wichtiges weggeschleppt worden? Sämtliche Unterlagen, welche eine strafrechtliche Mitwisserschaft bzw. Mitverantwortung der Ex-OB Dieckmann hätten bestätigen können, waren verschwunden. „Sie werde von keinem Zeugen oder Mitbeschuldigten belastet; auch weitere Beweismittel für eine strafbewehrte Handlung hätten sich nicht gefunden“, heißt es in der Kölnischen Rundschau vom 23.03.2012. Konnten die „sich nicht selbst finden“, könnte man kalauern, gab es keine, oder landeten sie, wie ein Informant behauptet, in Zarges-Aluminium Boxen in den abgesperrten Behinderten-Toiletten der Gesamtschule Bonn-Beuel. Ehemaliger Direx dort, der heutige Noch-Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD). Eine Art schnelle Zwischenlagerung im Rahmen der Bonner PM-Lösch– und Beweisrecycling-Tage?

Der Hansdampf

Friedel Frechen hatte außerdem stets die Hand am Puls des vermutlich größten Kommunalskandals der BRD, dem WCCB-Millionendesaster. Wie wichtig er doch war! Fährt (fliegt) als Presseprecher auf Steuerzahlerkosten am 10.06.2008 (da stand Arazim längst im Grundbuch) in die Bundeshauptstadt. Mögliches Motiv: sollte er später im Rahmen einer „gemeinsamen Sprachregelung“ etwas gut verkaufen? Dienstreise zum UNCC-Architekten Hong (einem alten Freund des inzwischen verurteilten RA Ha-Sung Chung). Mit dabei, der gedächtnisschwache Wilfried van Vorst und die heute wegen Betrugs und Untreue Angeklagten Hübner, Zwiebler, Kühl und Arzdorf…tss, tss, tsss…

Das WCCB als Häuslebauer-Projekt

Und weiter im Bonner Treppenwitz zu Haus & Grund-Vorstand Friedel Frechen: er bemühte zur Erklärung des diffizilen WCCB-Heimfall-Konstrukts und der Steuerzahler-Millonenschulden vor der WDR-Kamera den guten alten Häuslebauer. Das versteht doch jeder, der schon mal einen 50 Euro-Schein in der Hand hatte:

„Im Spätsommer 2009, als das öffentliche WCCB-Chaos noch im Werden war, meinte WDR-Reporter Norbert Hiller in der „Lokalzeit Bonn“ zu Frechen, dass die Stadt wohl keinen Plan B für den Fall habe, dass die 30 Millionen aus Hawaii (und deshalb auch die 30 Millionen der SPK, Anm. d. Verf.) nicht kämen. Der Pressesprecher widersprach damals:

Frechen: Wenn der Heimfall per Ratsbeschluss ausgelöst werden würde, dann fiele das komplette Konferenzzentrum in das Eigentum der Stadt, das heißt, dann sind alle privaten Investments verloren.
WDR: Es gäbe beim Heimfall einen großen Nachteil für die Stadt. Sie müsste sich alleine um den Ausgleich der Kostensteigerungen für das Prestigeobjekt kümmern. (…) 60 Millionen fehlen, zahlt das dann die Stadt Bonn?
Frechen: Nein, das müsste nicht von der Stadt kommen, das kann auch finanziert werden.
WDR: Über Banken?
Frechen: Über Banken.
WDR: Mit Bürgschaft der Stadt?
Frechen: Die Stadt würde dann, wie einer, der ein Einfamilienhaus besitzt, Schulden zurückzahlen.“

Diese Passage entstammt der Millionenfalle Nummer 93, die kurz vor Weihnachten erschien. Überschrift „Bonn packt´s“ an, offenbar ein Seitenhieb auf das Alibi-Spielchen dem auch der OB anhängt. Nicht die Verantwortlichen im Stadthaus sollen sagen, wo es im Haushalts-Schuldenlabyrinth (ohne Berücksichtigung der WCCB-Kosten!) lang geht, sondern der dumme August Steuerzahler im Multiple-Choice-Auswahlverfahren unter der Stabführung von (Pseudo?)-Bürgerbeteiligungs-Vorreiter Dirk Lahmann (Ex-BBB Mitglied), einem alten „Nimptsch-Vertrauten“ aus Beueler IGS-Tagen.

Eine solche Gleichsetzung von Einfamilienhauskreditaufnahme und dem bewusst-unbewusst mega-total verkorksten Finanzierungskonstrukt des WCCB und seinen Folgen fällt normalerweise bei einem Pressesprecher („His Masters Voice“) unter den Tisch. Aber Bonns oberstes „Verlautbarungsinstrument“ hatte die Rechung ohne den Wirt, bzw. die „Bürgerwehr“ gemacht. Als eine solche haben sich Journalisten des GA erwiesen, die sich anmaßen Super-Nimptschman das abzusprechen, was (noch) völlig unrelativiert auf dessen Wikipedia-Seite steht (unter „Politik“): „Zu seinen zentralen Aufgaben gehört seitdem die Aufklärung des WCCB-Betrugsskandals.“

Der Ex-Stadtsprecher erzählt uns was in der Lokalzeit

Einige Wochen zuvor – und das ist einer der Aufhänger des GA-Berichts – hatte der WDR den Ex-Stadtsprecher Friedel Frechen zum Interview eingeladen.

Das Lokalzeit-Video vom 15.09.2014 „Aufklärung im Schneckentempo“ ist noch abrufbar. Wer sich an die diversen Auftritte des OB-er Pressesprechers der Stadt Bonn erinnert und sie womöglich als selbstgefällig und selbstgerecht in Erinnerung hat, dem hilft das Video (im Teil 2) und auch der betreffende GA-Beitrag weiter. Frechen äußert sich im Interview u.a. zum lange schwelenden Konflikt mit dem General-Anzeiger, den OB Nimptsch vermutlich in einer Art späten Rache losgetreten hat: der Verleger Neusser hatte des OB´s Wunsch nach einem öffentlichen Streitgespräch einfach ignoriert…

„Frechen sagt (im Interview) dass er mit den – inzwischen angeklagten – Kollegen (also auch mit Friedhelm Naujoks, Anm. d. Verf.) weiterhin „kollegial und freundschaftlich verbunden“ sei. Und: „Ich habe volle Information gehabt, ich habe alles nach draußen getragen, wie es den Tatsachen entspricht, auch wenn es Leute gibt, die das bestreiten, nur ist das nie belegt worden.“ Zur Nicht-Hofberichterstattung des GA zum WCCB: „Ich würde heute an einer Stelle anders handeln. Ich hätte den Konflikt mit dem General-Anzeiger sofort geführt, ich war damals der Meinung, das ist eine Phase, die vorübergeht und dann spricht man wieder vernünftig miteinander.“

Die Äußerungen von Friedel Frechen im WDR werden viele als nachträgliche Eigenansicht der eigenartigen Dinge empfunden haben, die zur Realisierung des WCCB beigetragen haben. Dabei soll die Bonner Stadtverwaltung „einem Betrug“ aufgesessen sein, so die oft kolportierte offizielle Möchtegern-Lesart der WCCB Helfershelfer. Andere mögen das als „Reinwaschung“ des Ex-Pressesprechers erkannt haben. Denn wer in Bonn lebt und nicht nach Berlin unter ein WHH-Schutzschild entfliehen kann, der möchte nicht ständig in Erklärungsnot stehen, was er sich denn damals bei der Mitwirkung der „Machenschaften“ zu Lasten des Steuerzahlers gedacht hat.

Dichtung und Wahrheit

Gräbt man im Archiv dann fängt die Selbstdarstellung Friedel Frechens an zu wanken. Belegt ist durch die diversen RPA-Berichte und die Whistleblower-Tüte dass er „volle Information gehabt hat.“ Doch was ist mit den „Tatsachen“, die „alle(s) nach draußen getragen“ worden sein sollen? Was ist draußen und was ist alles?

Spätestens am 29.02.2012, versteckt in einer bewussten „Falschmeldung“ des GA über „Baukräne die sich wieder drehen können“ bekommt diese Version ein Loch. Darin steht nichts über das goldene Kalb des WCCB-Baufortschritts, dem Jürgen Nimptsch stets huldigt, dafür aber viel Brisantes.

Neben der informativen Befragung des heute noch immer im Dienst tätigen Leiter des Vorstandsreferates Wilfried van Vorst durch die Richter liest man Tatsachen über das „nach draußen Tragen“ des damaligen Pressesprechers:

„Noch eine Mail, diesmal vom 20. November 2009. Da hatte Jürgen Nimptsch (SPD) den OB-Stab bereits von Dieckmann übernommen. Diesmal mailt Bonns Ex-Pressesprecher Friedel Frechen: „Lieber Herr Nimptsch, lieber Wilfried, wir sollten das Papier besser nicht der Presse zeigen. Es enthält manche Umgereimtheiten.“
Das Papier: eine Auskunft des Unternehmens creditreform über Kims SMI Hyundai Corporation. Dort steht, dass SMI Hyundai erst am 15. Dezember 2004 gegründet worden sei und man deshalb über das Unternehmen „keine näheren Auskünfte“ geben könne.“

Frechen´s Motiv?

Damit erklärt sich die Äußerung im WDR-Interview zum Umgang mit dem GA: „Ich würde heute an einer Stelle anders handeln. Ich hätte den Konflikt mit dem General-Anzeiger sofort geführt, ich war damals der Meinung, das ist eine Phase, die vorübergeht und dann spricht man wieder vernünftig miteinander.“

Was mancher als bedingt selbstbesoffen empfinden könnte, offenbart einiges:

1. Ex-Pressesprecher Friedel Frechen hat das gleiche Problem wie OB Jürgen Nimptsch. Die von Artikel 5 des GG abgesicherte Aufgabe der Presse missfällt, inbesondere wenn sie aufdeckt und Mitschuldige, Verantwortliche, Mitläufer und Mitmacher benennt. Je mehr Widerstand gepflegt wird und je mehr man sich rhetorisch bei der Verteidigung von Genossen ins Zeug legt, desto größer der Verdacht auf „Mitschuld“ könnte man schlussfolgern.

2. es gibt keinen Konflikt mit dem GA, sondern eine sich selbst entlarvende Konfliktbewältigung von Amtspersonen mit dem Bundesstadtblatt, die sogar überregional in der FAZ Beachtung findet. Lustige Bemerkung am Rande: auf der Facebook-Seite von bonn-direkt verdreht sich die Kritik am Verhalten des OB: „Die FAZ beobachtet mit Skepsis den Kampf des Bonner General-Anzeigers gegen den Bonner Oberbürgermeister. BonnDirekt und Nimptschman setzen der Allmacht des GA eine andere Position entgegen“, oha!

3. in der inzwischen mega-eskalierten Auseinandersetzung des Bonner OB gegen den Generalanzeiger spielt die Interessenlage der Agentur Kreativ Konzept (KK) eine nicht unerhebliche Rolle. Das Thema wird – wieder einmal – durch einen RPA-Bericht im Dezember 2013 erhellt und  lässt sich zurückverfolgen bis ins Jahr 2006: „Wie das städtische Presseamt mitteilte, hätten in mehreren Gesprächen Stadtdechant und Münsterpfarrer Wilfried Schumacher, der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, Martin Ogilvie, und Klaus Schmuck von der für die „Südkurve“ zuständigen Agentur Kreativ Konzept eine Reihe von Vereinbarungen für das Event vom 8. Juni bis 9. Juli getroffen…Die Abendgottesdienste werden werktags während der WM in die Krypta verlegt; dort bekommt man von dem Lärmpegel auf dem Münsterplatz nicht so viel mit, sagte Stadtsprecher Friedel Frechen.“

4. Da muss man sich nicht wundern, wenn sich diese Kontakte bis zu einem Treff zwischen Martin Schilling und Ex-Stadtsprecher Friedel Frechen in einem Poppelsdorfer Kaffeehaus (im Jahre 2011) zurückverfolgen lassen. Zwar ist Martin Schilling (SPD) kein „Kollege“, sondern Ex-Stadtratsmitglied und mit der Untersuchung zum WCCB-Marketingkonzept (mit OB Nimptsch) ins Gerede gekommen, aber „kollegial und freundschaftlich verbunden“ kann man auch so sein, ohne Anklage…

Erklärung statt Aufklärung?

Verlässt man die Nebenschauplätze der Vergabe aus dem Steuermittelfüllhorn WCCB (u.a. gibt es einen alten Hut, eine Parteispendenzuwendungsvermutung – man munkelt in Höhe von nicht nachweisbaren 180.000 Euro, die durch eine „Transparenzoffensive“ vom Tisch gefegt wurde) und wendet sich dem eigentlichen Desaster zu, dann vermag man in Interviews der WDR-Lokalzeit die Bedeutung von Friedel Frechen zu ahnen, die er – lange vor Nimptsch – bei der Auf- und Erklärung der WCCB-Phänomene hatte.

Dazu schauen wir uns drei Videos aus dem Jahre 2009 an, als das World CC Bonn in die Schlagzeilen geriet und man nach Erklärungen für das Desaster suchte. Niemand wusste wie und ob mit wem es weitergehen würde, aber stets war Friedel Frechen zur Stelle um den Erklärungsnotstand zu beseitigen:

2009 – Bombenräumkommando Frechen & Co. im WDR

Im WDR-Video 1: „Wer ist Honua? – lüftet Pressesprecher Frechen das Staatsgeheimnis“, denn es gibt Verwirrung über einen „Großinvestor“, der sich scheinbar als Briefkasternfirma entpuppt. Frechen hat seinen humorvollen Tag auf den Baustelle und klärt nach einem Gespräch mit einem wichtig aussehenden Herrn auf: „Ich bin ja schon mal froh, dass Sie´n Haus mit ´ner Tür gefunden haben…“

Vorausgegangen war im Rahmen der „urplötzlichen“ Baukostensteigerung am 27.02.2009 eine andere städtische Presse-Desinformation: „Gerade der professionellen Controllingarbeit (des Städtischen Gebäudemanagements) ist zu verdanken, dass die Kostensteigerungen deutlich unter dem Möglichen geblieben sind. Eine Kritik daran widerspricht eindeutig den dort erbrachten Arbeitsleistungen, die sich positiv auf Projekt und Kosten ausgewirkt haben.“ Auch das war dreist gelogen, wie so vieles, das aus dem Stadthaus kam…

Weil sich die Baukasse leerte und kein frisches Geld in Sicht war, wurde von der Dickmannschen Verwaltung ein „Notfallplan“ erarbeitet, und mit Hilfe der guten Beziehungen zwischen dem Presseamt und dem Lokalredakteuer Leyendecker den Lesern am 06.05.2009 ein solides Fundament vorgegaukelt. Auch sind da „keine Spekulanten am Werk“ Viele Monate später wurde dann der wichtig aussehende Gesprächspartner des Pressesprechers als Doppelpack-Finanzberater Penderok enttarnt.

Noch heute gibt das Verwirrspiel mit der „koreanischen“ Firma aus Hawaii Rätsel auf. Bereits damals hätten die bekannten drei Klicks im Internet gereicht. Honua (damals mit einer zweiten Adresse im Netz auffindbar) war Finanzberater („Asset Manager“) koreanischer Konzerne, wie man an den Meldungen zum Grand Avenue Project in Los Angeles aus dem Jahr 2008 erkennt. Die offiziellen Dokumente zeigen, wie von Amts wegen Transparenz über die Investoren-Struktur hergestellt wird. Etwas, das in Bonn völlig fremd, aber auch entschuldbar war, denn es gab ja keinen. Bärbel Dieckmann hatte sich quasi einem Projektentwickler an den Hals geworfen…

Im WDR-Video 2: „WCCB: Stadtsprecher Friedel Frechen und die Eigentumsfrage“, herrscht allgemeine Verwirrung. Wem gehört das WCCB, Arazim oder Honua? Die Eigentümeranteile der Betreibergesellschaft sind unklar, Friedel Frechen jedoch erweist sich als Fels in der Brandung:“ Die Besitzverhältnisse sind klar, ich schlafe gut und ich bin auch nicht beunruhigt.“

Das war die Situation vor dem vorläufigen Beschluss des Amtgerichts Bonn in der Eilsache Honua/Arazim. Auch hier erscheint der Ex-Pressesprecher nicht als Faktentransporteur, sondern eher als Gesundbeter (auch in eigener Sache!). Bereits am 02.07.2009 war nämlich auf Grund des äußerst vertraulichen Briefes von Honua/Dongbu Insurance Co. an City Director „Hebner“ (s. Seite 2) intern bekannt, dass die Stadt mit weichen „Commitments“ hingehalten  worden war. Die Mail von zeigt deutlich dass hier auf Zeit gespielt wurde. Evi Zwiebler an die Mitstreiter: „Deadline ist der 10.07.2009- also warten wir bis spätestens nächsten Freitag ab.“ Mit harter Währung konnte man/frau zunächst also nicht rechnen.

Stattdessen war nun die Stadt im selbstverschuldeten Zugzwang (wird beim WDR-Video 3 erklärt): „Die städtische Erklärung an die „Honua-Gruppe“ ist Voraussetzung für Honua, die avisierten 30 Mio. Euro für das Projekt zur Verfügung zu stellen“ hieß es in der Pressemitteilung der Stadt. Bis das „alles nach draußen“ durchsickerte und Reaktionen erzeugte, schrieb man schon den 24.07.2009. Der Kampf um Information (und damit um Deutungshoheit) bis zur Kommunalwahl war eröffnet…

Dann „schlug es ein, wie eine Bombe beim WCCB“ (O-Ton-WDR Moderator Ralf Hescheidt). Am 05.08.2009 bestätigt das Landgericht vorläufig die Ansprüche von Arazim. Bei der Verkündung der Urteils ist die Stadt nicht anwesend und gibt postwendend zum Besten: Das Urteil hat keinerlei Bedeutung, es bleibt alles beim Alten!

Genauso zeigt es der WDR im Vorspann

im WDR -Video 3:   „Wer ist Eigentümer Arazim oder Honua?“ Das besondere Schmankerl: tags zuvor hatte Christoph Penderok bestätigt: 1.) „es (das Urteil) ändere nichts, man (also auch Friedel Frechen) habe das (mit Arazim) gewusst“, 2.) „in den kommenden Tagen werden die letzteten Hürden und Probleme genommen und ausgeräumt und 3.) „die restlichen Millionen für den Weiterbau werden fließen, das waren klare Worte“…und versetzten den damaligen Pressesprecher wegen seiner Äußerungen in den Interviews in düsterstes Zwielicht.

Die Pressemitteilung, die im Video 3 zu sehen ist und von Frechen bemalt wird, erscheint ab dem 05.08.2009 auf der städtischen Homepage. Frechen deutet vor der Kamera den risikobehafteten Heimfall als Plan B an, mogelt sich aber um das Verschuldungsdesaster, auf das die Moderatoren immer wieder hinweisen, gekonnt herum. „Die Stadt würde dann, wie einer, der ein Einfamilienhaus besitzt, Schulden zurückzahlen.“

Dem Pressesprecher (und Penderok) zu Hilfe eilen einen Tag später die SPD-Sekundanten Martin Schilling und Wilfried Klein: „Das WCCB wird nicht in Frage gestellt„. Ähnlich wie Frechen das im WDR-Interview exekutiert, wird der Blick auf die Querelen innerhalb der „zerstrittenen Investoren“ gelenkt und dabei ganz laut im Wald gepfiffen, bzw. herumschwadoniert:

„Die bekannt gewordenen Vertragsmodalitäten (Zinszahlungen) zwischen dem damaligen Geschäftsführer der UNCC, Herrn Kim, und dem Unternehmen Arazim Ltd. deuten darauf hin, dass hier unter Umgehung der Informationspflicht gegenüber der Stadt anderweitige Verpflichtungen bedient worden sind. Es handelt sich also nicht um eine Schieflage bei den Planungen des WorldCCBonn, sondern um Gründe, die möglicherweise in keinem Zusammenhang mit dem Bau liegen.“

Rheinisch interpretiert heißt das: Nit alles wat en Loch hät is kapott!

Zwei Tage später wird jedoch bereits zurückgerudert:  „Die Stadt Bonn will vorerst auf ihr so genanntes Heimfallrecht verzichten und das World Conference Center Bonn (WCCB) wie geplant privatrechtlich zu Ende bringen und betreiben. Die Eigentumsfrage ist strittig, die Zukunft des Kongresszentrums womöglich in Gefahr“, schreibt Uta Kristina Maul in der Kölnischen Rundschau.

Am 26.08.2009 meldet sich dann WCCB-Investor Honua als weiterer Geburtshelfer:

„Die akuten Finanzprobleme beim World Conference Center Bonn könnten möglicherweise kurzfristig gelöst werden. In einem Telefonat mit dem General-Anzeiger sagte am Dienstag der in der koreanischen Hauptstadt Seoul weilende Finanzberater des Investors Honua: „Die zugesagten 32 Millionen Euro Eigenkapital werden auf jeden Fall bis zum kommenden Wochenende fließen.“ Das WCCBonn wird von Honua fertig gebaut; wir sind keine Heuschrecke.“ Der Berater kündigte an, der Präsident von Honua Investment Management, Andrew Seung-Tae Jang, werde kommenden Montag in der Sondersitzung des Stadtrates den Politikern Rede und Antwort stehen.“

Andrew Jang, so die Kurzform, ist dann nicht gekommen und auch nicht die avisierten Millionen und mit der städtischen Pressemeldung am 28.08.2009 konnte „draußen“ alle Hoffnung fahren gelassen werden: „Bis Freitag wurde ein Betrag von 34 Mio. Dollar vom Kapitalgeber in Südkorea auf eine Bank in den USA transferiert. Damit sind die Bedingungen nicht erfüllt, die von der Stadt Bonn gestellt wurden. Die Stadtverwaltung hat erneut und mit Nachdruck gefordert, dass die bereits vorliegende Summe und die noch notwendigen weiteren Mittel unverzüglich einem Konto der Sparkasse KölnBonn gut geschrieben werden müssen. Es geht darum, das Geld rechtlich und faktisch unangreifbar ausschließlich für das Bonner Konferenzprojekt zu sichern.“

Die Überschrift der PM sagt alles: „Verhandlungen (unbestimmt!) dauern an – Alternativen werden vorbereitet.“ Die Alternativen sind heute (fast) alle bekannt und zum Schluss erkennt man: neben den strafbaren Handlungen, dem unrechtmäßigen Verwaltungshandeln, ihren Vertuschungen und der mühseligen Aufklärung des WCCB-Fiaskos haben „pro-domo“- Pressemeldungen und wohlfeile Interviews die Sache zusätzlich erschwert. Sie ranken sich wie Dornen um die Fakten, das war wohl auch beabsichtigt.

Danksagung

Deshalb danken alle BonnerInnen drinnen und „draußen“ dem ehemaligen Stadtsprecher (den sie zeitlebens alimentieren), für die vielen unbezahlbaren Valiumpillen zum WCCB, deren Kosten die Krankenkasse nicht übernimmt und wünschen ein frohes und erfolgreiches 2015…

P.S. Danksagungen aller Art sind möglich über Haus & Grund „Direkt zu Frechen“ oder über das allgemeine Kontaktformular

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare

  • Kommentiert:31.12.2014
  • Autor:Charly

Haus+Grund Sprecher Frechen verwies eingangs auf das Gewaltmonopol des Staates. Er hatte als Stadtsprecher das Meinungs-Gewaltmonopol der Stadt. Das ist ihm nun nachträglich in Teilen abhanden gekommen.

  • Kommentiert:31.12.2014
  • Autor:Dirk Müller

Im dritten WDR-Video bezieht sich der Moderator auf die Lokalzeit vom Vortag. Der Vertreters des „anderen Investors“ Honua hätte behauptet, die Arazim Sache sei bekannt gewesen. Kann man den Beitrag auch mal sehen?

  • Kommentiert:31.12.2014
  • Autor:Peter Riemann

@ Dirk Müller
Sie haben recht. Wenn Honua von dem SMI-Hyundai-Arazim Deal wusste, dann musste das auch den städtischen Projektverantwortlichen und WCCB-Mitarbeitern bekannt gewesen sein. Also auch dem Pressesprecher. Der Nachweis müsste erbracht werden. Aber auch ohne ist das schon „extremst“ plausibel.
Im alten Jahr, soll nichts liegebleiben.
Das Video vom Tag des Gerichtsbeschlusses des LG Bonn zu (vorläufigen) Gunsten von Arazim steht unter
http://youtu.be/QHMSKdt6DY8
abrufbereit.

  • Kommentiert:02.01.2015
  • Autor:Dirk Müller

@ Peter Riemann
Danke für die Lokalzeitsendung mit dem Finanzberater. Es fällt auf, dass Penderok am Ende des Interviews den PR-Begriff „Wording“ gebraucht. Auf die wichtige Frage kommt das Geld sagt er: „Der Investor (Honua) und die Stadt stehen in einer absolut engen Kommunikationslinie und wir verhandeln gerade darüber, dass das Wording zwischen beiden Parteien eindeutig und klar ist, was natürlich beide Seiten brauchen.“

  • Kommentiert:02.01.2015
  • Autor:coolman

Aus den WDR-Beiträgen sollte man einen Film machen!

  • Kommentiert:02.01.2015
  • Autor:Haushaltsplaner

Tolle Schlussfolgerung von D. Müller! Das Hauptproblem stand nicht im Vordergrund, sondern wie die (gemeinsamen) Probleme von Stadtverwaltung und echten und unechten Investoren der Öffentlichkeit vermittelt werden! Darum ging es die ganzen Jahre und um nichts anderes und da sind wir schon wieder bei unserem amtlichen WCCB-Obererklärer Friedel Frech(en).

  • Kommentiert:02.01.2015
  • Autor:Steffi Schramm

Würde gern mal wissen, wann Frechen das gesagt hat. Das WCCB gehörte ab Herbst 2009 dem Insolvenzverwalter. Anfang 2012 hat es die Stadt Bonn für rund 40 Millionen Euro erworben. Von wegen Einfamilienhaus!

  • Kommentiert:02.01.2015
  • Autor:GA-Leser

Ich bitte den WDR inständig: keine Sendungen mehr mit Friedel…!!!

  • Kommentiert:02.01.2015
  • Autor:Jurist

@ Müller/Riemann
Im Penderok Interview fällt noch etwas anderes auf. Einerseits behauptet er dass Honua die „Rechtssituation“ (die Eigentumsübertragung an Arazim) kannte, andererseits verweist er auf den sog. „gutgläubigen Erwerb“ nach § 933 BGB:
„Gehört eine nach § 930 veräußerte Sache nicht dem Veräußerer, so wird der Erwerber Eigentümer, wenn ihm die Sache von dem Veräußerer übergeben wird, es sei denn, dass er zu dieser Zeit nicht in gutem Glauben ist.“ Beides passt nicht zusammen, denn: „Der Erwerber ist nicht in gutem Glauben, wenn ihm bekannt oder infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt ist, dass die Sache nicht dem Veräußerer gehört.“
http://dejure.org/gesetze/BGB/932.html

  • Kommentiert:03.01.2015
  • Autor:Linkomat

Hartwig Lohmeyer berichtete auf rheinraum:online über die vorläufige Entscheidung des LG Bonn zugunsten von Arazim.
Kommentator Clemens Mohrau fragte:
„Christoph (Cris) Penderok, bisher von allen als SMI-Hyundai-Vertreter angesehen, ist heute in der “WDR-Lokalzeit-aus-Bonn” zu einem “selbstständigen” und angeblich unabhängigen Finanzberater mutiert, der allerdings gleichzeitig sowohl die Honolulu-koreanischen “Investoren” als auch die Baugesellschaft des World Congress Center Bonn (UNCC) berät… Unfassbar: Bock und Gärtner in Personalunion! …
Bei jedem, der jemals das Wort “Qualitätssicherung” gehört hat, schrillen jetzt die Alarmglocken!
Sozialdemokratisches Immobilienmanagement unter der Regie von Bärbel Dieckmann (ehem. SPD-Bundesvorstand) scheint in Bonn indes ganz eigene Wege gegangen zu sein, weitab von verantwortlichem Verwaltungshandeln und geltendem Recht.“
Mehr auf: http://rheinraum-online.de/2009/08/05/wird-das-world-conference-center-zum-sargnagel-fur-die-stadtfinanzen/

  • Kommentiert:03.01.2015
  • Autor:Bonner Notgroschen

Natürlich wusste Herr Frechen von all dem nichts und schon gar nicht Wilfried Klein (SPD). Der gibt vor dem alten Sparkassengebäude den mächtig Ahnungslosen (Achtung auf Zunge und Augen)…

  • Kommentiert:12.01.2015
  • Autor:Archivar

Friedel Frechen sagte im Interview: “Ich habe volle Information gehabt, ich habe alles nach draußen getragen, wie es den Tatsachen entspricht, auch wenn es Leute gibt, die das bestreiten. Nur ist das nie belegt worden” (Zitat aus GA).
Hier ist der Beleg: Als im März 2009 die Baukosten stiegen (http://www.general-anzeiger-bonn.de/lokales/bonn/steigen-wccb-kosten-weiter-article194203.html) und die Informationspolitik der OB kritisiert wurde, hatte Pressesprecher Frechen keine Information, sondern nur eine vage Erinnerung (zu Gunsten der OB): „Im April 2008 hat es eine, äh… nicht öffentliche Sitzung des Unterausschusses Zukunft Bonn gegeben. Auf eine Nachfrage hin, hat Frau Dieckmann nach meiner Erinnerung von einer Summe von deutlich über 20 Millionen… schon damals gesprochen.“
http://bonner-presseblog.de/wp-content/uploads/docs/uploaded/Erinnert_sich_Friedel_Frechen_richtig.jpg
Das sahen die meisten Ratsmitglieder anders. Tom Schmitz:“ Wir sind in 2008 nicht…sogar falsch informiert worden.“

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