WCCB – Wertermittlung: Der finale Kassensturz

(Bonner Presseblog) Was ist das World CC Bonn wert?

Fälschlicherweise wird das unfertige WCCB mit anderen desaströsen BRD-Großprojekten in einen Topf geworfen. Die haben aber ihre je eigene Charakteristik. Klaus Wowereits „BER-Fluchhafen“ verschlingt zwar monatlich 20 Mio. Euro, wird aber irgendwann auch Geld einspielen. Anders das WCCB, weshalb mit solchen Verallgemeinerungen den Bonner Steuerzahlern Sand ins Gesicht gestreut wird. Letzte derartige Aktion: das Interview im Generalanzeiger am 11.05. 2013 das der „Wirtschaftsredakteur“ Julian Stech mit dem Baujuristen Burkhard Messerschmidt führte. Das brachte zur Erläuterung der komplexen WCCB-Hintergründe wenig bis nichts, außer, dass es mit der Argumentation „Abenteuer Bauen“ die Position von Ex-OB Bärbel Dieckmann unterstützt, die sie in Interviews sinngemäß so wiedergibt: Wat wells de maache?

Die Frage nach dem Wert des WCCB erscheint kompliziert, ist es aber in Wirklichkeit nicht. Das Gebäude ist eine Ertragswertimmobilie. Im Regelfall lässt sich der Wert bei Geschossbauten über den Mietertrag überschlägig mit Hilfe der sog. Maklerformel ermitteln, wobei der Jahresreinertrag, also die Miete der Wohnungen, Büros oder Läden, eine entscheidende Rolle spielt.

Ist kein Reinertrag vorhanden, oder wird er „aufgefressen“ durch Betriebskosten, Kapitalisierungskosten oder beim Bauen gemachte Schulden, erkennt auch der Laie, dass der Wert gegen Null gehen muss. In der Regel werden unwirtschaftliche Gebäude, wenn ihre Sanierung wegen Alters zu teuer ist, oder wenn man sich eine bessere (= ertragreichere) Nutzung vorstellen kann, abgerissen. Dann hat man wenigstens das Grundstück auf dem etwas Neues entstehen kann, allerdings gemindert um den Preis der Abrisskosten.

Ein Abriss eines neuen oder noch nicht sehr alten Gebäudes ist aber kein Allheilmittel, denn man vernichtet dabei Werte, mindestens die des Rohbaus. Deshalb hat der Rat auch Abstand genommen vom geplanten Abriss des Bonner Stadthauses, der von der SPD und der Naujoks-Verwaltung mit unsauberen Argumenten betrieben wurde. Verrückterweise hatte die Bonn-Party mit Martin Schilling und Wilfried Klein den Abbruch des Gebäudes und seine „Abschreibung“ von ca. 40 Mio. Euro zunächst jahrelang propagiert. Als dann das SGB „umgeschwenkt wurde“, attackierte RA Schaper (SPD) mit seinen lernresisten Getreuen plötzlich das SGB.

Auch die Siegburger waren nicht so dumm und wehrten sich gegen eine „Privatisierung“ und den Abriss ihres Rathauses. Die Forderung nach Abriss des WCCB ist deshalb nicht sinnvoll und auch politisch nicht zu vertreten, allein schon aus Imagegründen. Wer es wertermittlungstechnisch genauer haben will kann sich hier: schlau machen.

„Der Ertragswert“ so heißt es da, „ist vereinfacht ausgedrückt die Antwort auf die Frage: „Für welchen Preis lohnt der Erwerb einer Immobilie, wenn die abgezinsten zukünftigen Überschüsse damit verglichen werden?“ Ein rational agierender Kapitalanleger erwartet eine angemessene Rendite auf sein gebundenes Kapital, da er die sogenannten Opportunitätskosten gegenüberstellt, d.h. den Nutzenentgang der wirtschaftlichen Alternative (z.B. ein Festgeld bei der Bank).

Verfahrenstechnisch setzt sich der Ertragswert aus zwei Komponenten zusammen: Dem Bodenwert und dem Wert der baulichen Anlagen….Der Wert der baulichen Anlagen wird …unter Ansatz der wirtschaftlichen Restnutzungsdauer berechnet.“ Von Jochen Hilgers in der WDR-Lokalzeit und in der WDR-Chronik vom 06.07.2010 konnte man erfahren, dass beim WCCB weder Überschüsse noch eine Rendite erwarten werden kann. Also gibt es auch keine wirtschaftliche Restnutzungsdauer. Wie beim Stadthaus kommt auch hier die Verwaltung selbst zu diesem Ergebnis: unrentabel!

Es war zwar bei Projektierung des WCCB von Anfang an bekannt, dass kein Konferenzzentrum kostendeckend arbeitet. Deshalb die Kombination mit dem Hotel. Wird das Hotel jetzt weit unter Wert verscherbelt, wächst der „WCCB-Dämon“ über der Stadt entsprechend und die schönen Geschichten von OB Nimptsch geraten zur Polit-Farce, wenn er behauptet, er habe etwas „Wertvolles heimgeholt.

Weil Bonn seit Bärbel Dieckmann kein Sommermärchen mehr ist, und das Bauen des WCCB kein Abenteuer, sondern einen Riesenbetrug mit Millionenverlusten im dreistelligen Bereich darstellt, will es der BürgerBundBonn endlich wissen und die Mehrheit des Rates auch: der Wert des WCCB soll ermittelt werden, meldet heute der Bonner Generalanzeiger.

Kommentare

  • Kommentiert:28.05.2013
  • Autor:Kassandra

Kassensturz ist notwendig!
Bravo.

  • Kommentiert:29.05.2013
  • Autor:J. Demmlich

@ popeye

Ist nicht wahr…

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