Wettbewerb im Einzelhandel verschärft sich in der Region

Der stationäre Einzelhandel in der Region Bonn/Rhein-Sieg verfügt über eine Verkaufsfläche von 1,39 Millionen Quadratmetern. Davon entfallen 952.380 Quadratmeter auf den Rhein-Sieg-Kreis, knapp 439.000 Quadratmeter auf Bonn. Im Vergleich zum Vorjahr sind im Rhein-Sieg-Kreis rund 20.000 Quadratmeter neue Verkaufsfläche entstanden. Das ist ein Ergebnis des neuen Branchenreports Einzelhandel der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg.

„Im Rhein-Sieg-Kreis steigt die Verkaufsfläche seit Jahren stetig, was den Wettbewerb zwischen Betriebsformen und Standorten verschärft. Die Kunden entscheiden naturgemäß nicht nach kommunalen Grenzen, wo sie einkaufen, sondern pragmatisch, etwa nach Parkplätzen und Angebot. Dem Handel im Rhein-Sieg-Kreis und in Bonn kommt dabei das anhaltend starke Bevölkerungswachstum und die hohe Kaufkraft zu Gute. Das trägt mit zu der Haltung vieler Kommunen bei, dem Einzelhandel attraktive und großzügige Flächen bereitzustellen“, so Eva Eichenberg, Referentin Handel bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

Zusätzliche Flächen wurden etwa in Hennef geschaffen, wo 2011 das Müllerland-Möbelhaus eröffnet wurde (über 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche), oder in Troisdorf, wo seit Ende 2013 die „Troisdorf Galerie“ am Wilhelm-Hamacher-Platz auf 9.000 Quadratmetern Verkaufsfläche Kunden anlockt. In Angriff genommen wurden seitdem beispielsweise der Neubau des „HUMA-Einkaufsparks“ in Sankt Augustin (39.000 Quadratmeter Verkaufsfläche; Fertigstellung: voraussichtlich 2017) oder die Errichtung des „Huwil-Centers“ in Ruppichteroth (5.000 Quadratmeter; Eröffnung: voraussichtlich 2015). In der Bonner City gibt es ebenfalls Pläne für erhebliche Verkaufsflächenerweiterungen. Nach einem Gutachten verträgt die Bonner Innenstadt mit ihren derzeit etwa 133.000 Quadratmetern Verkaufsfläche 35.000 Quadratmeter. Mit dem „Viktoriakarree“, dem „Maximiliancenter“ auf der Fläche der sogenannten „Südüberbauung“ und dem „Nordfeld“ kämen 30.000 zusätzliche Quadratmeter Verkaufsfläche hinzu.

Onlinehandel als zunehmende Herausforderung

Dennoch verzeichneten Einzelhändler in Bonn und anderen Städten und Gemeinden teils deutliche Frequenzrückgänge bis zu 50 Prozent. „Offenbar streben insgesamt immer weniger Menschen zum Einkauf in die Innenstädte“, so IHK-Handelsreferentin Eva Eichenberg. Ein wesentlicher Grund dafür sei der zunehmende Onlinehandel. Online-Handel benötigt weniger Fläche als stationärer Handel. Ferner sorge die moderne Arbeitswelt dafür, dass in der Woche weniger Zeit für Freizeit bleibt oder diese erst später beginnt. Folge: Umsatzverluste zwischen Montag und Freitagmittag, die sich am Freitagnachmittag und Samstag nicht aufholen lassen. Eichenberg: „Eine weitere Herausforderung für den Innenstadthandel: die Erreichbarkeit. Nach wie vor kommen etwa in Bonn 40 Prozent der Kunden mit dem eigenen Pkw. Es wird aber immer schwieriger, in vertretbarer Zeit in die Stadt zu gelangen und dort genügend Parkmöglichkeiten zu finden. Also denken die Kunden immer häufiger über Alternativen nach.“
Der anhaltende Onlineboom verändert den Einzelhandel. Während der Umsatz im deutschen Einzelhandel 2013 im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 1,1 Prozent gestiegen ist und 2014 voraussichtlich um 1,5 Prozent wächst, verbucht der Onlinehandel zweistellige Zuwachsraten. „Wer sich auf die Entwicklung einstellt, kann jedoch von ihr profitieren und muss die Zukunft nicht fürchten. „Multi-Channeling“ meint das intelligente Verknüpfen verschiedener Vertriebskanäle, vor allem von stationär und online. Genau da liegt die Chance des stationären Handels: Er muss sich auf seine Stärken besinnen – Beratung, persönliche Kundenansprache und die unmittelbare Gelegenheit für die Kunden, die Ware anzufassen und auszuprobieren. Und dazu gezielt den Online-Service verstärken“, so Eichenberg.

Erlebnis Einkauf als Erfolgsstrategie

Auch in der Region Bonn/Rhein-Sieg gibt es dafür Erfolgsbeispiele. Den erfolgreichen „HARIBO-Store“ in der Nähe des Bonner Münsters etwa. Auf den Erlebniseinkauf zielt das Ladenkonzept ab: Auf einer Verkaufsfläche von rund 200 Quadratmetern wird das gesamte HARIBO-Sortiment angeboten – inklusive Merchandising-Artikel. Eichenberg: „Viele Unternehmen halten die Präsenz in Innenstädten nach wie vor für essenziell und bieten den Kunden in ihren Vorzeigeläden ein sensorisches Erlebnis, individuelle Beratung, An- und Ausprobieren.“ Ein weiteres positives Beispiel aus der Region sei die leguano GmbH aus Sankt Augustin. Das Unternehmen entwickelt und produziert Barfußschuhe. Vor sieben Jahren begann leguano mit dem Verkauf bei Messen und anderen Veranstaltungen, dann richtete die Firma einen Online-Shop ein. Erst als dritten Vertriebskanal eröffnete leguano Ladenlokale – bevorzugt in 1A-Lagen mittelgroßer Städte, Ferien- und Kurorte. Schon bald wird dieser Vertriebskanal der wichtigste sein: leguano will bis Ende 2015 bundesweit in 25-30 Städten präsent sein – und nahezu 50 Prozent seines Jahresumsatzes stationär erzielen. In der Region werden Bonn und Königswinter leguano-Shops bekommen.
Eichenberg: „Innenstädte müssen attraktiv und gut zu erreichen sein, um Publikum anzuziehen. Es braucht immer wieder Anlässe, um die Menschen vom Sofa und Notebook in die Stadt zu locken. Umso ärgerlicher, wenn Einzelklagen so wirkungsvolle Veranstaltungen wie die „Klangwelten“ in Bonn verhindern. Vorgaben des Landes zu Lärmemissionen müssen im Sinne des Gedankens einer lebhaften und europäischen Stadt entsprechend gelockert werden können!“

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