Bahnbrechende Idee: Internet kommt durch die Wasserleitung

(Bonner Presseblog) Innovativ: Den Wasseranschluss mit Glasfaserleitung präsentierten in Ahrweiler Wirtschaftsförderer Tino Hackenbruch, Landrat Dr. Jürgen Pföhler, Hermann-Josef Romes und Theo Waerder.

Schnelle Glasfaserleitungen sind mittlerweile ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden. Vor allem in ländlichen Gebieten mangelt es jedoch häufig an einer flächendeckenden Versorgung. Mit einem innovativen Verfahren, das jetzt von SWB Regional GmbH und dem Zweckverband Wasserversorgung Eifel-Ahr vorgestellt wurde, könnte dieses Manko sehr kostengünstig behoben werden.

Landrat Dr. Jürgen Pföhler sieht in der Technik neue, zusätzliche Chancen für die zukünftige Breitbandversorgung und das schnelle Internet. Vor allem die Lücken im dünnbesiedelten Westteil des Kreises mit den Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr könnten so langfristig geschlossen werden.

In dem neuen Verfahren wird das Glasfaserkabel durch den Wasserhausanschluss in die Gebäude geführt. Im Rahmen üblicher Erneuerungsarbeiten kann ohne weiteren Tiefbau ein Glasfaserhausanschluss hergestellt werden. Da üblicherweise mehr als 70 Prozent der Kosten eines Glasfaseranschlusses auf den Tiefbau entfallen, revolutioniert dies die bisherige Technik und erlaubt es jetzt, auch bisher weniger lukrative Objekte anzuschließen.

Im Kreis Ahrweiler zum Beispiel stellt sich die Breitbandversorgung nach wie vor unterschiedlich dar. Neben sehr gut ausgestatteten Gebieten gebe es weiße Flecken, so Landrat Dr. Jürgen Pföhler. Die von ihm ins Leben gerufene Initiative „DSL für alle“ ist bei der Kreiswirtschaftsförderung angesiedelt und laufe weiter auf Hochtouren. „Wir setzen auf einen Technologiemix aus Satellit, Funklösungen und Glasfaser.“ Dieser Mix habe schon viele Lü-cken im Kreisgebiet geschlossen. Die Nutzung des rund 100 Kilometer langen Leerrohrnetzes des Zweckverbandes Wasserversorgung Eifel-Ahr für Glasfaseranbindungen könne jedoch nun für einen Durchbruch im Raum Altenahr/Adenau sorgen. Pföhler: „Es wird nicht mehr diskutiert, ob der Glasfaseranschluss nötig ist oder nicht. Es geht nur noch um die Frage, wie schnell und in welchen Konstellationen die Glasfaser zu den Kunden gelangt.“

Das Pilotprojekt „Fiber to the Home“ (FTTH) sei eine zentrale Option für die Zukunft, so der Landrat. FTTH werde bislang nur in Ballungsgebieten verwendet, in München beispielsweise. Doch solche Anschlüsse seien teuer: „Verlegungskosten plus Tiefbauarbeiten plus Loch in die Hauswand stemmen“, rechnet Pföhler vor. Beim jetzt anvisierten Wasser-Faser-System werde das Glasfaserkabel mit dem Wasseranschluss verlegt. Das verringere die Kosten enorm. Für Großstädte bringt diese Technik Einsparungen in Millionenhöhe, da aufwändige und kostenintensive Tiefbauarbeiten entfallen und für ländliche Bereiche scheint dies aktuell der einzige reale Ansatz um die Glasfaser bis zum Kunden zu bringen.

SWB Regional-Geschäftsführer und Werkleiter Theo Waerder sieht weitere Vorteile. „Durch die Nutzung der vorhandenen Wasserhausanschlüsse des Zweckverbandes, aber auch anderer Wasserversorger, können diese zusätzliche Erträge generieren. Dies hat dann positive Aspekte auf die Stabilität des Wasserpreises“.

Nun sucht der Zweckverband Wasserversorgung Eifel-Ahr mit den Verbandsgemeinden und der Wirtschaftsförderung des Kreises nach potentiellen Partnern, mit denen gemeinsam das  Leerrohrnetz des Verbandes für Breitbandaktivitäten genutzt werden kann. Über die bestehenden und geplanten Leerrohrtrassen des Zweckverbandes könnten sogar auch Teile von Ramersbach oder Grafschaft an das Breitbandnetz unmittelbar angeschlossen werden. „Dies birgt große Chancen für einen kostengünstigen und leistungsfähigen Anschluss an das Glasfasernetz, wobei auch ein direkter Glasfaseranschluss als FTTH (fiber to the home) für Neubaugebiete zur Diskussion steht. Diese Planungen werden in nächster Zeit konkretisiert“, so Waerder.

Auch aus Sicht der beiden Verbandsgemeindebürgermeister Hermann-Josef Romes (Adenau) und Achim Haag (Altenahr) als stellvertretende Verbandsvorsteher hat der neue Technologieansatz eine große Zukunft, da hiermit auch die Vernetzung wichtiger Infrastrukturbausteine voranschreitet. Beide sind der Meinung, dass der Ausbau und die Mitverlegung von Glasfasern Deckungsbeiträge für das Kerngeschäft des Zweckverbandes bringt und somit optimale Bedingungen für Handel, Gewerbe und private Haushalte schafft.

„Für den Zweckverband bietet dies ein große Chance, zumal wir hier einen deutlichen Wissensvorsprung haben. Partner, die diese neue Technologie in unserem Versorgungsgebiet ausprobieren wollen, werden hier mit offenen Armen empfangen,“ resümiert Theo Waerder, Geschäftsführer der Betriebsführerin SWB Regional, mit Blick auf das vorgestellte Modell.

Landrat Dr. Pföhler und die beiden Verbandsbürgermeister Romes und Haag fassten den Termin abschließend insgesamt so zusammen. „Wir haben hiermit einen neuen Ansatz für einen kostengünstigen Breitbandausbau auf aktueller und zukunftssicherer Glasfasertechnik erhalten.“

Faser(Fiber)-System (WFS): So kommt das Glasfaserkabel durchs Wasserrohr ins Haus
Die neue Technik ist vergleichbar mit einem Katheter. Hierbei wird ein Leerrohr aus Kunststoff (Microductrohr) durch den bestehenden Wasserhausanschluss von der Straße bis in das Haus geschoben. Das Microductrohr wird dann mit speziell entwickelten Formstücken mit der Trinkwasserleitung druckdicht verschweißt. Nach der Inbetriebnahme des Trinkwasseranschlusses kann anschließend über das Microductrohr eine Glasfaserleitung in das Haus geführt werden.

In diese Entwicklung waren hierbei von Anfang an die FRIATEC AG, führender Hersteller von Schweißverbindungselementen aus Kunststoff und die egeplast pro cable GmbH, Hersteller von Kabelschutzrohren z.B. im Telekommunikationsbereich (Tochterunternehmen der egeplast GmbH und der EBERO GmbH) eingebunden.

Von der Idee zur Pilotanwendung in Adenau
Das Wasser-Faser(Fiber)-System (WFS) wurde im Oktober in Adenau bei zwei bestehenden Hausanschlüssen als Pilotanwendung realisiert. Um mögliche Auswirkungen auf das Trinkwasser zu untersuchen, wurde gemeinsam mit dem Leiter des Hygieneinstitutes der Universität Bonn und Vorsitzendem der Trinkwasserkommission, Herrn Prof. Dr. Martin Exner, ein umfangreiches Untersuchungsprogramm festgelegt. Aufgrund der sehr positiven Ergebnisse konnte der ursprünglich vorgegebene Überwachungszyklus zwischenzeitlich verdoppelt und die Untersuchungsparameter deutlich reduziert werden.

Derzeit läuft auch schon das grundsätzliche Genehmigungsverfahren beim DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) zur Zulassung. Auch hier wurden bisher keine grundsätzlichen Bedenken angemeldet. Die beiden Pilotanwendungen, die übrigens auch über das Umweltministerium des Landes Rheinland-Pfalz, Abteilung Wasserwirtschaft, gefördert werden, bestätigen die Umsetzbarkeit des Konzeptes. Entsprechende Schutzrechte sind bereits angemeldet. In einem nächsten Schritt soll dies in einem groß angelegten Feldversuch getestet werden. Der Zweckverband hat sich deshalb mit einigen Partnern aus Industrie und Wissenschaft  um entsprechende Forschungsgelder des Bundes beworben. Aktuell stehen auch einige Veröffentlichungen der ersten Ergebnisse in Fachmedien an.

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